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Jazenjuk: "Wir werden die Krim zurückerlangen"

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Jazenjuk: "Wir werden die Krim zurückerlangen"

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Der ukrainische Übergangspräsident Arseni Jazenjuk ist auf dem Weg zum Treffen mit den Staats- und Regierungschefs der EU in Brüssel. In wenigen Minuten will er das vollenden, wogegen sich sein Vorgänger Viktor Janukovitsch gesträubt hatte: die Ukraine soll näher an die Europäische Union heranrücken. Das wollen auch die EU-Spitzen, selten herrschte auf einem europäischen Gipfel solche Einigkeit. Vorerst wurde nur der politische Teil des Assoziierungsabkommens unterzeichnet – eher ein symbolischer Akt. Die neue Führung in Kiew verplichtet sich damit zur Einhaltung der Menschenrechte und zur freien Marktwirtschaft. Ein Wirtschaftsabkommen soll im Sommer folgen. Arseni Jazenjuk – er könnte als der Begründer einer neuen Ukraine in die Geschichte eingehen. Allerdings auch als der, der die Beziehungen zu Russland langfristig geschädigt hat.

euronews:
Was können die Ukraine und die internationale Gemeinschaft tun, um die Krim in der Ukraine zu behalten?

Arseni Jazenjuk:
Es geht nicht nur um die Krim.

euronews:
Doch was kann man für die Krim tun?

Arseni Jazenjuk:
Sprechen wir lieber über globale Sicherheit. Was mit der Krim geschehen ist, muss als bewaffneter Diebstahl durch die Russische Föderation bezeichnet werden. Internationale Standards, internationale Gesetze wurden verletzt. Entscheidend für uns – ich meine damit die ganze Welt und nicht nur die Europäische Union oder die USA, ich meine die internationale Gemeinschaft – entscheidend ist, eine Antwort darauf zu finden, wie solche Räuber gestoppt werden können. Was die Krim anbelangt, wissen wir, dass dieser Konflikt andauern wird. Doch ich möchte klar sagen, dass die Zeit vergehen wird und dass wir, so Gott will, kurz- oder mittelfristig unser Gebiet zurückerlangen werden.

euronews:
Wäre die Ukraine zu militärischen Schritten bereit, sollten diese notwendig sein?

Arseni Jazenjuk:
Sollte Russland kriegerische Handlungen wagen, sollte es unsere Grenzen missachten, sollten ukrainische Militärs und Zivilisten angegriffen werden, werden wir Vergeltung üben.

euronews:
Denken Sie zur Zeit an Sanktionen gegen Russland? An Reisebeschränkungen?

Arseni Jazenjuk:
Russland hat nicht allein eine Militäraktion unternommen, sondern auch einen politischen und wirtschaftlichen Krieg vom Zaun gebrochen. Ich habe bereits oft betont, dass wir eine friedliche Lösung suchen und dass der beste Ausweg Verhandlungen sind, wirkliche Gespräche darüber, wie die wirtschaftlichen und politischen Probleme gelöst werden können. Ohne in die Zeit vor der Krise zurückkehren zu wollen, geht es darum, neue Beziehungen zwischen der Ukraine und Russland herzustellen. Doch Russland ist taub, ist wie eine Mauer.

euronews:
Sind Sie mit der russischen Regierung in Kontakt?

Arseni Jazenjuk:
Wir hatten wiederholt Kontakt. Einmal gelang es mir, den russischen Ministerpräsidenten zu erreichen. Ich sagte ihm, dass es besser wäre, über unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu sprechen, dass Russland jedoch entscheiden müsse, ob es einen Krieg mit der Ukraine vom Zaun brechen oder ob es einen Krieg beenden wolle. Die Russen halten sich ansonsten sehr zurück, was Kontakte mit der legitimen Regierung der Ukraine anbelangt. Doch man muss abwarten. Wir müssen in der Ukraine unsere Zukunft aufbauen. Wir begreifen, dass Russland alles tun wird, um die Lage in der Ukraine zu destabilisieren. Dazu werden sie alle Mittel einsetzen: den Handel, politische, militärische und diplomatische Mittel. Was früher die Sowjetunion getan hat, tut Russland heute wieder. Doch wir nehmen diese Herausforderung an und wir werden eine Lösung finden.

euronews:
Erwarten Sie, dass die EU Sanktionen gegen Russland verhängt?

Arseni Jazenjuk:
Wir erwarten, dass die internationale Gemeinschaft etwas unternimmt, um dieses von Russland ausgelöste Durcheinander zu stoppen. Denn es geht um globale Sicherheit, es geht um die Weltwirtschaft, es handelt sich um eine globale Herausforderung der Charta der UN, der Vereinten Nationen, der Helsinki-Schlussakte, der OSZE und es steht im Widerspruch zu den Ergebnissen des Zweiten Weltkrieges.