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Proteststurm in der Türkei nach Twitter-Verbot

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Proteststurm in der Türkei nach Twitter-Verbot

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Der türkische Präsident Abdullah Gül ist mit dem Twitter-Verbot, das Regierungschef Recep Tayyip Erdogan, durchgesetzt hat, nicht einverstanden. Gül setzte sich auch gleich darüber hinweg und schrieb auf Twitter, das Verbot sei “inakzeptabel”. Erdogan sagte am Vorabend vor seinen Anhängern, er werde Twitter mit der Wurzel ausreißen. Und was die internationale Gemeinschaft dazu sage, interessiere ihn nicht. Alle sollten sehen, wie mächtig die Türkei sei.

Prof. Dr. Mehmet Sağnak von der Bahçeşehir Universität erklärt: “Es ist richtig, dass wir viele Fakten über die sozialen Medien erfahren. Nicht über etwas berichten, das ist eine Form der Zensur. Wir können die Zensur mit Hilfe der sozialen Medien umgehen. Aus diesem Grund wollen manche Führungszirkel jetzt gegen die sozialen Medien vorgehen.”

Die Twitter-Sperre lässt sich allerdings umgehen. Viele Türken senden Erdogan Nachrichten und fragen, ob sie sein Twitter-Konto haben können, da er es ja nun nicht mehr nutze. Ein junger Mann kann es kaum glauben: “Im 21. Jahrhundert ist das einfach verrückt. Die Geschichte wiederholt sich. In der Vergangenheit, zur Zeit des Osmanischen Reichs, wurden die Druckerpressen verboten. Damals konnten sie so Sachen verheimlichen, aber heute ist das nicht mehr möglich. Das Internet kann sowieso nicht verboten werden. Selbst wenn sie es versuchen, gibt es immer Mittel und Wege, um online zu gehen.” Eine Studentin meinte: “Das Verbot ist falsch. Wir haben unsere Freiheit. Niemand kann sie uns nehmen. Das Ganze ist Quatsch.”

Unser Korrespondent in Istanbul Bora Bayraktar fasst zusammen: “Bereits kurz nach dem Twitter-Verbot setzten sich viele darüber hinweg und es verlor damit seine Bedeutung. Doch die Entscheidung Twitter zu verbieten, hat die Sorgen über die Einschränkung der Meinungsfreiheit in der Türkei verstärkt.”