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Stinkefinger für Rom: 2 Mio. für unabhängiges Venetien


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Stinkefinger für Rom: 2 Mio. für unabhängiges Venetien

Über zwei Millionen Menschen sollen sich in der Internet-Abstimmung in der Region um Venedig – die auf Italienisch Veneto genannt wird – für die Unabhängigkeit von Italien ausgesprochen haben, das teilten die Organisatoren von plebicitio.eu mit. Nachprüfen lassen sich die Zahlen nicht, doch die aufmuckenden Separatisten sind sehr zufrieden: 73 Prozent der Stimmberechtigten haben angeblich an der Abstimmung teilgenommen, 89 Prozent davon seien FÜR und nur 11 GEGEN die Unabhängigkeit des Veneto.

Für die offiziellen Medien – und auch für viele unserer italienischen Kollegen bei euronews – ist das sogenannte “Referendum” eine Farce, denn es hat keinerlei rechtliche Bindung. So zeigen zwei Journalisten der RAI in einer Satire-Sendung, wie sie sich mit falschem Namen und fiktiver Adresse auf der Internet-Seite registrieren und ihre Stimme abgeben.

Dennoch ist das Online-Votum Ausdruck der Unzufriedenheit der Bürger im reicheren Norden Italiens mit der Regierung in Rom, der sie so eine Art virtuellen Stinkefinger zeigen.

Unterstützt wurde die virtuelle Volksbefragung von der populistischen und rechtskonservativen Partei LEGA NORD, die sich seit den 90er Jahren für ein förderalistisches Italien und für die Abspaltung des reicheren Nordens von den “Räubern in Rom” einsetzt. Die LEGA NORD stellte auch die etwa 500 Büros, in denen auf Papier abgestimmt werden konnte. Und der Präsident der Region Veneto Luca Zaia von der LEGA NORD erklärte: “Das Unabhängigkeitsgefühl ist inzwischen allgegenwärtig in Venetien”.

Der LEGA NORD-Chef Matteo Salvini erhofft sich durch die Online-Abstimmung sicher auch mehr Popularität, da die vorherige Parteiführung wegen eines Korruptionsskandals zurücktreten musste. In Verona sagte Salvini: “Jedes Jahr schenkt das Veneto 21 Milliarden Euro dem italienischen Staat und erhält dafür sehr wenig zurück.”
Die LEGA NORD unterstützt das Referendum für die Unabhängigkeit des Veneto im Rahmen seiner “No Euro-Tour”, der Wahlkampagne für die Europawahlen am 25. Mai, nach der die LEGA NORD eine europäische Allianz u.a. mit der österreichischen FPÖ plant. “Wir kämpfen für die Unabhängigkeit von Brüssel, weil es für Italien nur außerhalb des Euro eine Zukunft gibt, und für die Unabhängigkeit von Rom, weil der italienische Staat de facto pleite ist”, sagte Salvini.

Matteo Renzi, den 39-jährigen italienischen Regierungschef in Rom lehnt die LEGA NORD ab. “Sein Kabinett ist lediglich die Fortsetzung der Regierungen Monti und Letta. Der Wirtschaftsminister, der den Geldbeutel der Italiener kontrolliert, ist ein Gesandter Brüssels und Berlins. Es gibt wenig zu hoffen”, sagte Matteo Salvini.

In Italien findet die Diskussion vor allem in den sozialen Medien statt, wo auf Twitter und Facebook heftig über die Online-Abstimmung diskutiert wird. Doch international gibt es immer wieder seltsame Parallelen zwischen Venetien und der Krim. Denn im Ausland hatte das russische Staatsfernsehen von einem “Referendum” in Italien gesprochen und damit auch die Abstimmung für die Annexion der Krim an Russland legitimiert.

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