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Nach Massen-Todesurteil in Ägypten: Angehörige zweifeln an Gerechtigkeit

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Nach Massen-Todesurteil in Ägypten: Angehörige zweifeln an Gerechtigkeit

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Nach dem Todesurteil gegen 529 Anhänger der Muslimbruderschaft und des ehemaligen Präsidenten Mohammed Mursi haben in der ägyptischen Stadt Minya aufgebrachte Menschen vor dem Gericht protestiert.

Der Richter hatte das Urteil am Montagmorgen nach nur zwei Sitzungen verlesen. Nur ein Teil der Verurteilten ist derzeit auch in Gewahrsam. Die Verteidiger kritisierten den Ablauf der Prozesses scharf.

“Uns, den Verteidigern, wurde vom Sicherheitspersonal verboten, beim Prozess anwesend zu sein”, so einer der Anwälte. “Der Richter verlas sein Urteil in Abwesenheit von Rechtsanwälten und verurteilte dann 530 Menschen zum Tode. Der Rest der Urteile wird am 28. April verlesen. Das ist keine Gerechtigkeit. Die Gerechtigkeit ist tot.”

Trauer und Wut bestimmten die Reaktionen der Angehörigen. “Wir lassen uns nicht zum Schweigen bringen”, rief eine Frau. Ein Mann klagte lautstark: “Das ist keine Gerechtigkeit. Mursi hatte Recht, als er sagte, dass es im Justizministerium keine Gerechtigkeit gibt.”

Den Verurteilten werden unter anderem Mord, Gewalt und die Erstürmung einer Polizeiwache vorgeworfen. Sie waren im August 2013 in Minya verhaftet worden. Nach der gewaltsamen Auflösung zweier Protestlager der Muslimbruderschaft in Kairo war es auch in Minya zu Ausschreitungen gekommen.