Eilmeldung

Eilmeldung

Russland: Nur Fersengeld boomt

Sie lesen gerade:

Russland: Nur Fersengeld boomt

Schriftgrösse Aa Aa

Viele westliche Unternehmen legen angesichts der Krise auf der Krim Investitionen in Russland auf Eis. “Wir hören von der Auslandshandelskammer in Moskau, dass Investitionen zumindest verschoben werden,” so Volker Treier, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). “Manche werden jetzt auch schon gänzlich in die Tonne gesteckt. Kapital fließt ab.”

In Russland seien 6200 deutsche Firmen mit 250 000 bis 300 000 Beschäftigten aktiv.

Und seit Anfang des Jahres haben schon viele Fersengeld gegeben. Der Moskauer Aktienindex MICEX fiel um knapp 12 Prozent, der Rubel verlor gegen den Dollar neun Prozent. Bis Ende Februar flossen 35 Milliarden Dollar (25 Milliarden Euro) ab.

Eine fatale Lage für Russlands Wirtschaft, trotz Währungsreserven von gut 490 Milliarden Dollar. Die russische Konjunktur hatte schon vor dem Machtkampf um die Krim spürbar geschwächelt.

Börsenhändler Yaroslav Podsevatkin, Aton, Moskau:

“Die Situation ist sehr negativ für unsere Wirtschaft, weil niemand weiß, welche Sanktionen noch kommen. Auf vereinzelte Sanktionen ist die Reaktion gemäßigt negativ. Aber schon das ist sehr schlecht für den Aktienmarkt, denn Anleger haben ein gutes Gedächtnis. Wer mal weg ist, kommt so schnell nicht wieder.”

Die Zentralbank hatte bisher dieses Jahr mit 1,5 bis 1,8 Prozent Wachstum gerechnet. Das Wirtschaftsministerium ging von rund zwei Prozent aus.

Das Land ist von Energieexporten stark abhängig. Keine Rede mehr von Wachstumsraten wie nach der Jahrtausendwende: Im Schnitt waren das 7 Prozent im Jahr.

Eine Rezession sei kaum noch zu vermeiden, so die Analysten der in London ansässigen VTB Capital. Die russische Wirtschaft stehe wegen der allgemeinen Unsicherheit “unter Schock”. Bei vielen Unternehmen gebe es einen Investitions- und Einstellungsstopp, und auch die privaten Haushalte hielten sich bei ihren Ausgaben zurück.

su mit dpa, Reuters, AFP