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Demütigender Abzug ukrainischer Einheiten von der Krim

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Demütigender Abzug ukrainischer Einheiten von der Krim

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“Tourismus” steht am Bus – nichts könnte falscher sein. Der Bus transportiert keine vergnügten Ausflügler sondern ukrainische Soldaten, die nach Tagen der Belagerung ihre Stützpunkte auf der Krim verlassen. Hier den von Feodosia nahe am Asowschen Meer. Als Verlierer. Russische Fernsehreporter befragen daneben stehende Zivilisten. Die Frau mittleren Alters ist enttäuscht und traurig angesichts des Geschehenen. “Wie geht es weiter”?, will der Reporter wissen. Die Antwort ist ein knappes “не зна́ю”, “weiß nicht”“

Der Reporter fragt nach ihren Namen. Sie darauf: “Der spielt keine Rolle. Oder müssen wir uns auf besetztem Territorium jetzt vorstellen?”

In Kiew gibt es derweil Streit wegen mangelnder Befehle. Dem Verteidigungsminister wird vorgeworfen, seine Einheiten auf der Krim im Stich gelassen zu haben. Am Luftwaffenstützpunkt Belbek bei Sewastopol fielen Schüsse, als die Ukrainer nicht freiwillig weichen wollten. Erst durchbrach ein schweres Fahrzeug das Tor. Dann drangen Bewaffnete ein. Ukrainische Soldaten werden zur Fahnenflucht genötigt.

Marinesoldaten kommen im Schlauchboot an Land, während im Hintergrund ihr Schiff auf der Reede vor Sewastopol liegt. Gibt es eine demütigendere Weise für Seeleute, ihr Schiff zu verlassen? Ihnen bleibt nur die Wahl, die Fahne zu wechseln oder vor der russischen Überlegenheit zu kapitulieren. Vor Soldaten, die für sie eben noch Waffenbrüder waren. Sergej, vereidigt auf sein Vaterland Ukraine, ist russischer Abstammung. In Russland hat er Verwandte. Aber dort dienen will er nicht – sondern nur in der Ukraine. Während aus Lautsprechern die russische Hymne tönt, lässt Marinesoldat Jewgenij seiner Verbitterung freien Lauf. “Die haben und verjagt wie Ratten. Aber was würde es jetzt bringen, hier zu bleiben? Die Krim zur Ukraine zurückbringen könnten wir doch nicht.”

Da stehen sie am Ufer. In Zivil wie gestrandete Tramper. Und müssen sich das Siegesgeheul von Jugendlichen gefallen lassen, die im Jeep mit russischer Fahne um sie herumkurven.