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Nach Massen-Todesurteil: Prozess gegen Kopf der Muslimbruderschaft fortgesetzt

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Nach Massen-Todesurteil: Prozess gegen Kopf der Muslimbruderschaft fortgesetzt

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Die ägyptische Justiz setzt die Strafverfolgung der Muslimbruderschaft fort und hat nun den Prozess gegen den Vorsitzenden der Organisation sowie 682 Anhänger wieder aufgenommen.

Der 70-jährige Mohammed Badie ist seit August 2013 in Haft. Die Anklage wirft dem Hochschullehrer unter anderem öffentliche Anstachelung zum Mord vor. Weil der Richter den Anwälten offenbar die Verlesung ihrer Verteidigung verbot, boykottierten diese den ersten Prozesstag.

Erst am Montag hatte ein Gericht 529 Anhänger der nun als Terrororganisation geführten Muslimbruderschaft zum Tode verurteilt. Sie hatten sich im vergangenen August an Ausschreitungen beteiligt.

Beobachter sprechen vom härtesten Urteil in der modernen Geschichte Ägyptens. Sie erwarten eine weitere Zunahme der Anschläge, die das Land erschüttern, seit das Militär den ersten frei gewählten Präsidenten Mohammed Mursi im Juli 2013 absetzte.

Viele Ägypter zeigen sich ob der Härte der Justiz verständnislos: “Warum ist der gestürzte Präsident Hosni Mubarak nicht zum Tode verurteilt worden? Warum ist der ehemalige Innenminister Habib al-Adli nicht zum Tode verurteilt worden? Warum sind überhaupt keine der inhaftierten Minister zum Tode verurteilt worden? Sind deren Anwälte einfach so gut und die Anwälte der 500 Verurteilten so schlecht? Oder sind es andere Richter, jeder mit seinen eigenen Gesetzen? Das ganze ist eine Farce.”

Die Massenprozesse verschärfen die Spannungen vor den Wahlen Mitte April. Als aussichtsreichster Kandidat gilt allgemein Militärchef Abd al-Fattah al-Sisi – seine Kandidatur gilt als wahrscheinlich.