Eilmeldung

Eilmeldung

Westeuropa soll der Ukraine Gas geben

Sie lesen gerade:

Westeuropa soll der Ukraine Gas geben

Schriftgrösse Aa Aa

Bisher hängt die Ukraine zu mindestens 50 Prozent am russischen Gashahn –
Ersatz-Lieferungen aus West- und Mitteleuropa könnten eine Option sein, die Abhängigkeit zu verringern. Was die westlichen Staaten über die Slowakei liefern könnten? Vor allem russisches Erdgas oder auch Gas aus Norwegen und der Nordsee. Die Gespräche laufen bereits.

Das Hauptproblem ist technisch: Bisher strömt das Gas von Ost nach West. Die Option “von West nach Ost” müsste erst eingerichtet werden.

Alexander Duleba, slowakischer Verein für Außenpolitik:

“Heute gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten, Gas von irgendwo auf dem Globus nach Deutschland zu bringen. Dann strömt es über die Slowakei direkt weiter in die Ukraine. Alles nur eine Frage des Preises.”

Teurer wird die Energie für die Ukraine auf jeden Fall. Der bisher übliche Freundschaftspreis für russisches Gas mit einem Drittel Nachlass ist passé.

Anfang März zahlte sie noch rund 195 Euro pro 1.000 Kubikmeter für ihr Gas. In Westeuropa waren es zuletzt etwa 252 Euro.

Bisher kennt Kiew aber noch nicht mal die Gazprom-Preise für das 2. Quartal.

Und hat Angst: “Es ist wichtig, dass
wir niemandem erlauben – auch nicht Russland -, Energie als eine neue
Atomwaffe zu benutzen”, warnte Regierungschef Arseni Jazenjuk beim EU-Krisengipfel.

Die Spendierbereitschaft des selbst von russischem Gas abhängigen neuen Transitlandes Slowakei ist begrenzt.

Robert Fico – slowakische Ministerpräsident:

“Ich denke, dass die Ukraine das Gas nicht für lau bekommen sollte. Niemand würde akzeptieren, wenn die Ukraine nicht für den Transit zahlt. Wir bräuchten auch eine neue Messtation für rund 20 Millionen Euro.”

EU-Energiekommissar Günther Oettinger erwartet, dass die Ukraine und die Slowakei noch vor Ende April ein Memorandum unterzeichnen.

In der Ukraine ist zur Zeit nur Eines sicher: Die Verbraucherpreise für Gas steigen zum ersten Mai um gut die Hälfte. Weitere Preisschübe bis 2018 stehen so gut wie fest.

Unter anderem am – politischen – Gaspreis war schon vor fünf Jahren ein IWF-Hilfspaket für die Ukraine gescheitert. 2008 hatte der Währungsfonds ein Hilfsprogramm über 16,4 Milliarden Dollar aufgelegt. Wegen Kapitalabflüssen infolge der Weltfinanzkrise war das Land am Rand der Zahlungsunfähigkeit – 2009 schrumpfte die Wirtschaftsleistung laut IWF um rund 15 Prozent.

Im Gegenzug forderte der IWF einen klaren Sparkurs: Die Ausgaben sollten gekürzt, nahezu keine neuen Schulden aufgenommen und das Rentenalter heraufgesetzt werden. Außerdem sollten die staatlich subventionierten Gaspreise deutlich steigen: 2009 um zunächst 20 Prozent, aber auch danach noch einmal kräftig. Das Programm wurde schließlich eingefroren, Gas blieb billig.

su mit dpa