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Ukraine: Timoschenko will Präsidentin werden

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Ukraine: Timoschenko will Präsidentin werden

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Zwei Monate vor den Präsidentschaftswahlen in der Ukraine hat die ehemalige Ministerpräsidentin Julia Timoschenko offiziell ihre Kandidatur erklärt. Sie wolle sich am Samstag von der Partei bestätigen lassen, sagte Timoschenko am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Kiew.

Als Präsidentin wolle sie weitreichende Reformen durchsetzen, die die Ukraine seit ihrer Unabhängigkeit benötige, so die Politikerin: “Zwei Monate sind ausreichend Zeit, um sofort die Entscheidungen zu fällen, auf die die Ukraine seit 22 Jahren wartet. Wir brauchen echte Reformen, nicht die Schein-Reformen, die es immer gab. Meine Präsidentschaftskampagne wird jeden Tag konkrete und klare Maßnahmen enthalten.”

Timoschenko war bisher zweimal Regierungschefin der Ukraine. Die Rivalin des entmachteten Präsidenten Viktor Janukowitsch liegt in den Wahlumfragen weit hinter dem milliardenschweren unabhängigen Kandidaten Pjotr Poroschenko. Derzeit teilt sie sich den zweiten Platz mit dem ehemaligen Boxweltmeister Vitali Klitschko.

Die 53-Jährige gilt als erklärte Gegnerin des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Zuletzt hatte sie mit Drohungen gegen den Kreml-Chef Irritationen ausgelöst. In einem vertraulichen Telefonat, das mitgeschnitten und veröffentlich wurde, soll sie mit Blick auf Putin gesagt haben: “Ich bin selbst bereit, eine Kalaschnikow in die Hand zu nehmen und dem Dreckskerl in den Kopf zu schießen.”

Angesichts der Krim-Krise kündigte sie den Aufbau einer starken Armee an, sollte sie zur Präsidentin gewählt werden. “Ich bin überzeugt, dass ich alle nötigen Maßnahmen treffen kann, um die Ukraine gegen die Aggressionen zu behaupten und die Krim zurückzuholen”, so Timoschenko nach Angaben der ukrainischen Nachrichtenwebsite “Kyiv Post” auf der Pressekonferenz am Donnerstag.

Timoschenko gilt als Ikone der Orangenen Revolution und Rivalin des entmachteten Präsidenten Viktor Janukowitsch, dem sie 2010 in den Präsidentschaftswahlen unterlag. Die Politikerin wurde nach dessen Wahl in einem umstrittenen Verfahren wegen Amtsmissbrauch zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Sie saß seit 2011 in Haft und wurde im Februar dieses Jahres im Zuge des politischen Umsturzes freigelassen.

Aber so sehr sich viele Ukrainer auf die Rückkehr ihrer Volkstribunin freuen: Dass Timoschenko wieder mitmischt, schmeckt nicht allen. Die “Gasprinzessin” hat nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 ein immenses Vermögen angehäuft. Politische Gegner werfen ihr undurchsichtige Geschäfte vor. Auf dem Maidan, gab es bereits Pfiffe.