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Gesprächsexperiment mit vier Mullahs

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Gesprächsexperiment mit vier Mullahs

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Ein utopisches Experiment wagte Mehran Tamadon in seiner Dokumentation mit dem knappen Titel “Iranien”. Zwei Tage verbrachte er mit überzeugten Anhängern des iranischen Regimes in seinem Landhaus, um über die Vor- und Nachteile einer säkularen Gesellschaft zu diskutieren. Dabei kam es zu spannenden, aber auch frustrierenden Gesprächen mit den versierten Rhetorikern.

Mehran Tamadon: “Das war das Ziel dieser Vorgehensweise, auf den anderen zuzugehen und sich dem Gespräch zu öffnen. Es ist kein Film über die Opfer, über die, die leiden, sondern, wir blicken auf die, die das Regime verteidigen. Was glauben sie wirklich? Letztlich muss man eine Lösung finden, um zusammenleben zu können.”

Der in Frankreich lebende, regimekritische Filmemacher brauchte zwei Jahre, um die vier Glaubenshüter von seinem Projekt zu überzeugen.

Mehran Tamadon: “Es ist ein Volk, das das Wort ergreifen kann. Das zeigt der Film: Es wird gesprochen. Und das ist wichtig, denn wo Worte möglich sind, schwindet die Gewalt. Diese Gesprächsmöglichkeit gibt es nicht in allen Ländern. Die Iraner haben immerhin eine Gesellschaft geschaffen, man das Wort ergreifen kann, auch wenn man mitunter dafür bestraft wird, Zeitungen verboten werden. Das Wort existiert dennoch.”

Tamadon zeigt die vier Männer mit Bart aus nächster Nähe. Zwei Tage lang wird gemeinsam gekocht, gestritten und manchmal sogar gelacht. Überzeugen kann er die Hardliner nicht. Sein Film sei dennoch ein Erfolg, sagt er.

Mehran Tamadon: “Im Iran wird es mit Sicherheit Reformen geben, die iranische Gesellschaft wird sich auf lange Sicht entwickeln, aber das wird noch sehr lange dauern. Dieser Film ist die Saat, die langsam keimen, in einem andern Kontext, vielleicht mit anderen Menschen, aufgehen wird. Aber wohl sicher nicht mit diesen vier.”

Für den Regisseur hat der Film verheerende persönliche Konsequenzen: das erzwungene Exil. Sollte er noch einmal in den Iran reisen, drohen die Behörden, werde ihm der Pass abgenommen. Dennoch bereut er nichts.

Der Film lief auf der Berlinale im Forum und wird auf mehreren Festivals erwartet.