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Geflohene Krim-Bewohner in Kiew: "Es wurde immer bedrohlicher"

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Geflohene Krim-Bewohner in Kiew: "Es wurde immer bedrohlicher"

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Noch vor wenigen Wochen haben ihre Kinder auf der Krim gespielt: Die Krimtatarin Ilvina ist nach der russischen Annexion der Halbinsel mit ihrer Familie in die Ukraine geflohen. Sie, ihr Mann und ihre zwei und vier Jahre alten Kinder leben in einem staatlichen Kurheim in Kiew. Wie die Familie sind bereits mehr als 100 Angehörige der moskaukritischen Minderheit in die ukrainische Hauptstadt geflohen.

“Wir sind hierher gekommen, weil es für uns auf der Krim immer bedrohlicher wurde”, sagte Ilvina im Interview mit euronews. “Dort waren russische Truppen. Wir haben alles Nötige zusammengepackt: warme Babysachen, Dokumente. Ich dachte, wir schaffen es nicht, Simferopol zu verlassen. Die Situation war furchterregend, weil dort Kosaken waren. Ich hatte Angst, dass sie den Zug anhalten. Es soll zu Ausschreitungen gekommen sein, als sie die Pässe von Leuten zerrissen haben und das Gepäck durchsucht wurde.”

Doch nicht nur Tataren fliehen von der Krim. Etwa 3600 Bewohner der Halbinsel haben Regierungsangaben zufolge landesweit bei den Behörden um Hilfe gebeten. Sie wohnen in Häusern, die die Regierung bereitstellt, oder bei Freiwilligen – so wie Olga und ihre Familie, die von der Krim geflohen sind, weil sie nicht die russische Staatsbürgerschaft annehmen wollten. “Die Beziehungen zu unserer Familie sind jetzt angespannt”, erzählt sie. “Zum Beispiel mit meinem Vater. Er unterstützt und vertraut Russland. Deswegen haben wir uns zum ersten Mal in meinem Leben gestritten. Vorher haben wir immer Kompromisse gefunden, er hat mich nie angeschrien. Jetzt ist alles schlimmer geworden. Alle Onkel und Tanten wollen nichts mehr mit uns zu tun haben. Das ist sehr hart.”

Die fünfköpfige Familie ist einen Tag vor dem umstrittenen Referendum nach Kiew geflohen. Als Flüchtlinge im eigenen Land müssen sie jetzt den Papierkram erledigen – Sozialleistungen und Kindergartenplätze beantragen. Die Stadt Kiew hat für diese Zwecke ein Koordinationszentrum eröffnet. 300 Menschen haben sich bisher registriert.