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Rembrandt Bugattis Tierleben

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Rembrandt Bugattis Tierleben

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Geschmeidige Raubkatzen, stramme Dickhäuter und zierliche Einhufer bevölkern derzeit die Alte Nationalgalerie in Berlin. Das Haus würdigt den italienischen Tierbildhauer Rembrandt Bugatti mit allerlei Getier auf drei Stockwerken. Der Bruder des legendären Automobilbauers Ettore Bugatti zählt zu den herausragenden Bildhauern des frühen 20. Jahrhunderts, betont der Leiter der Alten Nationalgalerie.

Philipp Demandt: “Bugatti ist, glaube ich, ein sehr ernsthafter Künstler gewesen, dem es eben nie darum ging, Tiere heroisch oder im Kampf oder als Statutssymbole für das Großbürgertum herzustellen. Sondern er ist jemand, der sich vielleicht auch ein bisschen vor anderen Dingen geschützt hat, der so ein bisschen seine Welt im Zoo gesucht hat und der diese Welt, diesen Reichtum, den er dort an Formen und an Bewegungen gesehen hat, in einer ganz großen Ernsthaftigkeit umsetzt. Und das macht ihn so besonders.”

1884 als jüngster Sohn des Möbelgestalters Carlo Bugatti in Mailand geboren, präsentierte der Künstler schon als Jugendlicher seine ersten Skulpturen und schuf in seinem kurzen Leben mehr als 300 Tierplastiken.
Dabei war Bugatti niemals selbst in Afrika oder Asien. Anfangs standen ihm vor allem Kühe Modell, später entdeckte er in Zoos seine Liebe zu exotischen Tieren und durfte mit Erlaubnis der Wärter sogar ein paar Tricks anwenden, um die Tiere zur Pose zu bringen.

Anke Daemgen, Kuratorin der Ausstellung: “Er hat vor das Gehege zum Beispiel einen Apfel so gelegt, dass der Elefant sich wirklich ganz verbiegen musste, um heranzukommen, damit er dann diese besondere Bewegung oder auch die Beweglichkeit dieser schweren Tiere beobachten und dann eben in der Plastik festhalten konnte.”

Der Sanitätsdienst zu Beginn des Ersten Weltkriegs stürzte Bugatti in schwere Depressionen. Hinzu kamen finanzielle Schwierigkeiten. 1916 nahm er sich mit nur 31 Jahren in Paris das Leben.

Die Ausstellung würdigt den zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Bildhauer noch bis zum 27. Juli in Berlin.