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Afrika will sich an EU ein Beispiel nehmen

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Afrika will sich an EU ein Beispiel nehmen

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Beim EU-Afrika-Wirtschaftsforum sind Teilnehmer von beiden Kontinenten zusammengetroffen, darunter auch Unternehmen, die sich nach Finanzierungsmöglichkeiten umsehen, unter ihnen auch Francine Munyaneza aus Ruanda. Vor einem Jahr hat sie eine Firma für Solarenergie gegründet. Ihr Ziel ist es, vor Ort die thermischen Solaranlagen zu bauen, die sie heute noch importieren muss. Aber Munyaneza bekommt keinen Kredit. “Die Zinsen in Afrika liegen sehr hoch und das betrifft nicht nur Ruanda. Überall in Afrika ist es das gleiche. Ich denke, das hat mit den Risiken und Problemen der Inflation zu tun. Die Zinsen liegen derzeit bei 18, 19 Prozent.”

Eine Option sind alternative Finanzierungsmodelle, wie die privaten Unternehmensbeteiligungsgesellschaften. Eine von diesen wird von Paul Van Aalst geführt. Er unterstützt in Afrika den Bau von Privatschulen, Kliniken und Häusern. “Wir bringen unsere Erfahrung ein, indem wir mehr europäisches Kapital in Afrika bereitstellen. Aber wir überlassen es unseren lokalen Partnern in Afrika, die Entwicklungsfähigkeit eines Unternehmens einzuschätzen. Mit ihnen gemeinsam investieren wir und wir unterstützen die lokalen Unternehmer, in dem wir ihnen die Möglichkeit geben, zu wachsen.”

Mehr als die Hälfte der afrikanischen Bevölkerung ist unter 20 Jahre alt. Acht Prozent der Menschen leben auf dem Land. Dort gibt es einen Engpass an Lehrern. Das macht die Ausbildung zu einer großen Herausforderung, die zum Teil durch die neuen Technologien gelöst werden kann.

Louis Onyango Otieno von Microsoft: “In Stadtgebieten hat vielleicht jedes Kind einen Laptop. Aber auf dem Land ist es vielleicht ein Informatik-Zentrum, wo alle Kinder hingehen können. Wir müssen anpassungsfähig sein.”

Eines der Millennium-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen war es, die Grundschulausbildung für alle Kinder weltweit sicherzustellen. Deshalb stehen nun diese kleinen Computer in den Klassenräumen von Ruandas Schulen. Sven Aerts von OLPC erklärt: “Mitglieder der Open Source Computer-Gemeinschaft sind an Kofi Annan herangetreten. Sie sagten ihm: ‘Stellen Sie sich vor, wir könnten eine Schule so kleinschrumpfen, dass sie in eine Lunchbox passen würde. Ein kleines Solarmodul treibt den Computer an, der sehr energiesparsam ist.”

Im Pharmazie-Sektor will Afrika seine Abhängigkeit von anderen Ländern reduzieren. Der Kontinent importiert 80 Prozent seiner Medikamente, oft zu sehr hohen Preisen. In den nördlichen Ländern Afrikas sind inzwischen lokale Produktionsstätten errichtet worden. Im Süden haben einige Hersteller Fabriken aufgebaut. Sie bieten inzwischen Partnerschaften an. Andrew Witty, Geschäftsführer bei GlaxoSmithKline unterstreicht: “Wir haben die langfristigen Entwicklungen im Auge. Die Nachfrage wird wesentlich steigen. Wir glauben, dass es nicht effizient ist, all diese Produkte zu importieren. Einige davon müssen natürlich immer importiert werden, wie es auch bei allen anderen Ländern der Fall ist. Es gibt aber einen Bedarf, die einheimischen Fertigkeiten auszubauen. Wir alle profitieren von der Produktionsfähigkeit im eigenen Land.”

Afrika will zudem auch in der Landwirtschaft autark werden. Derzeit importiert der Kontinent nahezu die Hälfte seiner Lebensmittel. Lucy Muchoki, Geschäftsführerin bei PanAAC sagte: “Wir müssen neue Technologien einführen. Das können wir nur durch Zusammenarbeit mit den Europäern realisieren. Deshalb sind wir hier. Wir wollen von Ihnen lernen. Immerhin ist Afrika ein Kontinent, mit einer fruchtbaren Grundlage.”

Afrika muss mit einer Stimme sprechen, wenn es seinen globalen Einfluss vergrößern und seine Interessen verteidigen will, meint Botswanas früherer Präsident Festus Mogae. “Ihr Europäer habt einige Schwierigkeiten zu kooperieren, aber Ihr seid natürlich trotzdem fortschrittlich. Was tun wir als Afrikaner, um zusammenzuarbeiten? Es muss noch viel getan werden und es liegt an uns Afrikanern, dies zu tun.”