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Bericht des Weltklimarates mahnt

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Bericht des Weltklimarates mahnt

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Die Wellen schlagen zehn Meter hoch ans Ufer. Schwere Stürme fast ohne Pause beherrschen in diesem Winter die europäische Atlantikküste. Von Portugal über Spanien bis Frankreich verursachen sie enorme Schäden. Menschen kommen ums Leben. Auch von den britischen Inseln werden immer neuen Dauerregen mit anschließenden Hochwasserrekorden gemeldet.

Gleichzeitig bibbert Amerika. Hier sind es neue Kälterekorde. Arktische Temperaturen gepaart mit immer neuern Schneemengen bringen das öffentliche Leben zeitweilig zum Erliegen. Und das sogar im Südosten der USA, wo die Winter normalerweise mild ausfallen.
Derweil brennt es “down under”. Australiens Feuerwehren kommen mit dem Löschen nicht mehr nach. Rekordhitze hat die Vegetation ausgedörrt.
Farmer leiden unter der Hitze, die gleichzeitig ihre Existenz vernichtet.

Die Wissenschaftler haben für all das die niederschmetternde Antwort: An der Klimaveränderung ist das meiste Menschenwerk! So steht es auch im Bericht des Weltklimarates,
dessen Präsident Rajendra Pachauri erklärt: “Wir haben die Erscheinungen bewertet und sowohl natürliche Einwirkungen als auch Folgen menschlichen Tuns für alle Kontinenente und Ozeane gefunden. Ich möchte betonen, dass niemand auf dem Planeten den Auswirkungen des Klimawandels entgehen kann.”

Ein Getreidefeld im Süden Russlands im Sommer 2010. Statt zu wachsen und zu reifen vertrocknen die Pflanzen. Das geschieht nicht mehr nur in seltenen Katastrophenzeiten. Immer häufiger wird es viel zu heiß und zu trocken. Prognosen sagen zum Ende des Jahrhunderts einen Temperaturanstieg zwischen 0,3 und 4,8 Grad Celsius voraus. Darum haben sich rund 200 Länder zusammengetan mit dem Ziel, den Temperaturanstieg auf höchstens 2 Grad Celsius zu begrenzen.

Marc Levy vom Institut für Klimasicherheit auf der Erde an der Columbia-University betont, wie kompliziert es ist, viele der Einwirkungen auf den Kilmawandel wirklich zu beherrschen. Darum müssen die Länder zu einem breiten Dialog finden mit betroffenen Bürgern und Interessengruppen. Nur so sei ein abgestimmter Aktionsplan zu erreichen, der dann auch wirklich Erfolg verspreche.
Der Bericht des Weltklimarates schlägt den Regierungen ganz pragmatisch vor, nicht auf fundamentale Einigungen zu warten. Dabei läuft der Menschheit die Zeit davon. Statt zu diskutieren, was menschengemacht ist und was nicht, gilt es zu handeln.

Paul McDowell hat für euronews mit einer der Hauptautorinnen des Berichts, Daniela Schmidt, gesprochen.

euronews: “Daniala Schmidt, der Klimarebericht ist detailliert und verständlich. Wird er endgültig die Zweifel am Klimawandel und seinen Folgen zerstreuen?”

Daniela Schmidt: “Wir sehen uns die Auswirkungen an, aber auch die Risiken für alle Menschen auf der Welt.”

euronews: “Es ist wohl eine einfache Tatsache, dass das Klima sich immer geändert hat und sich auch immer ändern wird.”

Daniela Schmidt: “Ich bin Geologin. Für mich ist der Klimawandel also mein tägliches Brot. Sie habe völlig recht: Das Klima hat sich zwischen den Eiszeiten geändert. Ich meine zwischen Eiszeiten und warmen Phasen. Es war in der Vergangenheit viel wärmer. Aber unsere Forschungen zeigen ganz klar, dass wir seit den Dinosauriern keine Klimawechsel hatten, die so schnell aufeinander folgten, wie zur Zeit. Die Frequenz und das Ausmaß sind wirklich bedeutend.”

euronews: “Wenn wir Politiker nach Antworten fragen und die Welt betrachten: Wir haben einen Konflikt in Syrien, Territotialstreitereien im Nahen Osten, die Weltwirtschaftslage ist fragil. Können wir von den Politikern erwarten, dass sie den Klimawandel zur Priorität machen und handeln?”

Daniela Schmidt: “Das Risiko ist groß, wenn wir nichts tun. Sie haben völlig recht: Wir haben akute Probleme. Viele der Dinge, die wir gefordert haben, machen die Welt auf jeden Fall besser; etwa unsere Städte zu begrünen oder die Wasserqualität zu verbessern. Das sind drängende Probleme im Licht des Klimawandels, aber auch für die Welt, in der wir leben.”

euronews: “Ein globales Problem, wie Sie sagen, ein universelles Thema. Das hat, wie ich meine, viele Leute dazu gebracht sich zu fragen, was genau heisst das für mich, was kann ich tun?”

Daniela Schmidt: “Was es für sie heisst, kommt immer darauf an, wo die Menschen leben. Die Folgen für Europa sind die schlimmsten, etwa im Hinblick auf Überschwemmungen, sowohl Fluten an den Küsten, wie auch Hochwasser in den Flüssen oder Hitzewellen. Wir erinnern uns wohl noch an die hohen Temperaturen 2003 und die Folgen, die sie in ganz Europa hatten. Es wird Folgen für die Infrastruktur geben, die auf so hohe Temperaturen nicht vorbereitet ist. Es wird also für jeden Einzelnen darauf ankommen, wo er lebt. Wir müssen über andere Wege des Energiesparens nachdenken. Aber auch den Druck auf die Politiker erhöhen, damit sie Lösungen in großem Umfang anstreben.”

euronews: “Meinen Sie vielleicht, dass wir unsere Einstellung ändern müssen?”

Daniela Schmidt: “Wir haben unser Einstellung im Vergleich zu vor hundert Jahren bereits geändert. Wir tun das ohnehin die ganze Zeit. Das ist nicht so schwierig, wie wir glauben.”