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Afghanen wählen neuen Präsidenten

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Afghanen wählen neuen Präsidenten

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Am 5. April sollen die Afghanen einen neuen Präsidenten wählen. Es wird die dritte Wahl seit dem Ende der Talibanherrschaft. Schon bei der vorigen Wahl 2009 gab es reichlich Proteste wegen vermuteter Fälschungen. Man kann nicht erwarten, dass es 5 Jahre später seriöser zugeht. Selbst Kandidaten, deren Bilder auf allen Plakaten zu sehen sind, beklagen jetzt schon, dass massenhafte Fälschungen zu erwarten seien.
Der scheidende Präsident Hamid Karsai darf nach zwei Amtszeiten nicht wieder antreten. Er machte allerdings schon klar, er wolle von der Politik nicht lassen und rechne mit einer Art Botschafter-Rolle. Natürlich nicht als einfacher Vertreter seines Landes, als der er dem Außenminister unterstehen würde. Etwas höher angesiedelt sollte seine künftige Aufgabe schon sein. Stichwort Außenminister. Das steht in den Biografien der meisten Kandidaten. Als der chancenreichste unter ihnen gilt Zalmai Rassoul. Er genießt die Unterstützung des Karsai-Clans. Auch wenn er den Sieg im ersten Wahlgang mit mehr als 50 Prozent der Stimmen wohl nicht schaffen wird. Dafür ist das Land 15 Jahre nach der Vertreibung der Taliban viel zu gespalten. Und auch die Taliban reden wieder mit. Wobei ihre Sprache die Gewalt ist, mit der sie einer demokratischen Entwicklung erheblich schaden. Anschläge, Morde sind an der Tagesordnung. Auch in der Hauptstadt Kabul. Und was erwartet der “Mann auf der Straße” angesichts dieser unsicheren Lage? Die Antwort des Ladenbesitzers Sadar Wali klingt sehr nach Zweckoptimismus. Er spricht von Vertrauen in die Fähigkeiten der afghanischen Sicherheitsorgane und betont, jeder sollte zur Wahl gehen!
Da entspricht die Antwort des afghanischen Militärexperten Javid Kohistani schon eher dem Bild, das sich an den vielen Kontrollpunkten darbietet. “ Wenn kein bilaterales Sicherheitsabkommen mit den USA unterzeichnet wird, dann stehen die Chancen auf internationale Hilfe für die afghanischen Truppen bei Null. Und die werden ohne ausländische Hilfe nicht in der Lage sein, Terroristen und Fundamentalisten wirkungsvoll zu bekämpfen.”
In diesem Abkommen wollen die USA erreichen, dass ihre Soldaten für Taten in Afghanistan nicht von afghanischen Gerichten belangt werden können.
Ein Präsident, der das unterschreiben würde, hätte sofort beim eigenen Volk verloren. Also stehen die Zeichen auf Abzug – egal was danach kommt.