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Afghanistan: Präsidentenwahlen werden von Gewalt überschattet

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Afghanistan: Präsidentenwahlen werden von Gewalt überschattet

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In Afghanistan stehen am Samstag die Wahlen zum ersten demokratischen Machtwechsel in der Geschichte des Landes an – acht Kandidaten bewerben sich um die Nachfolge von Präsident Hamid Karsai. Der 2001 von der Internationalen Gemeinschaft ins Amt gesetzte Präsident darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten.

Als Favoriten gelten die früheren Außenminister Abdullah Abdullah und Salmai Rassul sowie Ex-Finanzminister Ashraf Ghani. Sollte kein Bewerber eine absolute Mehrheit erhalten, ist für den 28. Mai eine Stichwahl vorgesehen. Erste vorläufige Ergebnisse der Wahlkommission werden Mitte nächster Woche erwartet.

Die Wahlvorbereitungen werden von Gewalt überschattet. Die Taliban haben ihrer Drohung, die Abstimmung zu sabotieren, bereits mit mehreren tödlichen Anschlägen Nachdruck verliehen.

Die Menschen in Afghanistan wollen trotzdem zur Wahl gehen, sagte die Parlamentsabgeordnete Shukria Barikzai. “Dafür gibt es viele Gründe: Erstens wollen sie Nein zu den Taliban sagen, zweitens wollen sie Ja zu Demokratie und Wahlen sagen, und drittens wollen sie eine bessere Regierung.”

“Die Menschen sind verängstigt”, sagte Khoda Dad aus Kabul. “Die, die zur Wahl gehen, fühlen sich nicht besonders wohl. Sie haben Angst.”

Die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch. Trotzdem wurden zwei Journalistinnen der Nachrichtenagentur AP von einem Polizisten angegriffen, als sie mit einem Wahlkonvoi unterwegs waren – die deutsche Fotoreporterin Anja Niedringhaus wurde erschossen. Ihre kanadische Kollegin Kathy Gannon überlebte verletzt.

Niedringhaus berichtete seit Jahren aus Afghanistan und anderen Krisengebieten. Für ihre Fotos aus dem Irak-Krieg erhielt sie zusammen mit Kollegen den Pulitzer-Preis. Niedringhaus wurde 48 Jahre alt.