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Vor 20 Jahren: Beginn des Völkermordes in Ruanda

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Vor 20 Jahren: Beginn des Völkermordes in Ruanda

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Bugesera, ein Dorf irgendwo in Ruanda. Vor 20 Jahren standen sich Silas und Mathias als Täter und als Opfer gegenüber. Silas ist Tutsi, Mathias war einer derjenigen, die 1994 Hunderttausende Tutsis im Land niedermetzelten. Heute sind sie Nachbarn. Die Weltgemeinschaft griff zunächst nicht ein vor 20 Jahren, die Truppen der Vereinten Nationen wurden sogar verringert.

“Als ich herzog,” sagt Silas, “fand ich Mathias nebenan vor. Ich hatte zunächst eine tiefe Abneigung. Als ich herausfand, dass er einer der Täter war, hatte ich Angst vor ihm. Aber es stellte sich heraus, dass er ein guter Nachbar ist. Er sagte ‘Silas, auch wenn ich Menschen getötet habe, heute bin ich kein Killer mehr, ich habe es bereut’”

Heute ist Ruanda ein anderes Land, die Vergangenheit bleibt aber gegenwärtig.

“Als ich im Gefängnis war”, sagt Mathias, “habe ich die Hoffnung aufgegeben. Ich dachte, jemand der getötet hat, wird niemals freigelassen und kann nie wie andere hier leben. Ich hatte Angst. Als ich meine Verbrechen gestanden habe, fiel mir eine Last von den Schultern.”

Startschuss für den Völkermord war am 6. April 1994 der Abschuss des Flugzeugs von Präsident Juvénal Habyarimana Mehr als 800.000 Tutsis und gemäßigte Hutus wurden in nur 100 Tagen niedergemetzelt, oft mit Macheten. Die Täter waren regierungsnahe Uniformierte, aber auch Zivilisten. Habyarimana war Hutu und sie gaben der Minderheit der Tutsis die Schuld an seinem Tod. Ein Massaker war allerdings von langer Hand vorbereitet; wer das Flugzeug abschoss, blieb ungeklärt.