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Frankreich bleibt Völkermord-Gedenken fern

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Frankreich bleibt Völkermord-Gedenken fern

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Frankreich hat seine Beteiligung an den für Montag geplanten Feiern zum Gedenken an den Völkermord in Ruanda vor 20 Jahren abgesagt. Paris reagiert damit auf Anschuldigungen des ruandischen Staatspräsidenten Paul Kagame, Frankreich hätte bei den Vorbereitungen der Massenmorde 1994 eine Rolle gespielt. Kagames Äußerung stünde im Widerspruch zum Prozess des Dialoges und der Aussöhnung zwischen beiden Ländern, hieß es in Paris.

In einem Interview mit der heute erscheinenden Wochenzeitung “Jeune Afrique” hatte Kagame gesagt, französische Soldaten, die für einen humanitären Militäreinsatz in Ruanda stationiert waren, seien “Akteure” und “Komplizen” bei den Massakern gewesen.

1994 wurden mehr als 800.000 Tutsis und gemäßigte Hutus in 100 Tagen niedergemetzelt, oft mit Macheten. Ausgelöst wurde der Völkermord durch den Abschuss eines Flugzeugs mit Staatspräsident Juvénal Habyarimana an Bord am 6. April 1994.

Habyarimana war Hutu. Radikale Hutu riefen dazu auf, alle in Ruanda lebende Tutsi zu ermorden. Ein Massaker war allerdings von langer Hand vorbereitet; wer das Flugzeug abschoss, ist bis heute ungeklärt.

Die Weltgemeinschaft schritt zunächst nicht ein. Erst nach der Eroberung Ruandas durch Tutsi Milizen konnte das Massaker gestoppt werden.

Ein ruandischer Untersuchungsbericht kam 2008 zu dem Schluss, dass das französische Militär die für die Massaker verantwortlichen Milizen ausgebildet habe.

Weiterführende Links

Bundeszentrale für politische Bildung: Gedenken an den Genozid in Ruanda

UN-Gedenktag zu Genozid in Ruanda

Jeune Afrique