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Zwanzigster Jahrestag des Völkermordes in Ruanda

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Zwanzigster Jahrestag des Völkermordes in Ruanda

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Genau zwanzig Jahre nach Beginn des Völkermordes in Ruanda kämpft der ostafrikanische Staat immer noch mit der Aufarbeitung des Genozids und dessen Folgen. 1994 wurden mehr als 800.000 Angehörige der Tutsi-Bevölkerungsgruppe von regierungsnahen Hutu-Milizen niedergemetzelt.

Das Massaker begann nach dem Abschuss des Flugzeugs des ruandischen Präsidenten Juvénal Habyarimana mit einer Boden-Luft-Rakete am 6. April. Hutus prangerten Tutsis als Urheber des Anschlags an.
Im Anschluss setzten die oft mit Macheten bewaffneten Hutu-Milizen binnen einhundert Tagen ihr Völkermord-Vorhaben in allen Teilen Ruandas in die Tat um. Sogenannte Todeslisten wurden angelegt mit namentlicher Nennung von Tutsis und oppositionellen Hutus, die umgehend eliminiert werden sollten.
20 Jahre später ist der Versöhnungsprozess weit fortgeschritten. Eine überlebende Tutsi und ihr damaliger Peiniger, ein ehemaliger Hutu-Milizionär, erinnern sich gemeinsam:

“Sie fanden heraus, wo ich mich versteckte,” schildert die Tutsi-Überlebende. “Emmanuel schnitt mir ins Gesicht und hackte mir einen Arm ab. Einer seiner Freunde versetzte mir einen Kopfschlag. Ich stürzte und klammerte mich an mein Baby, aber sie töteten es. Ein anderer Hutu stach mir noch einen Speer durch den Oberkörper.”

“Alice war die erste Tutsi, auf die ich traf,” ergänzt ihr damaliger Peiniger. “Ich zerschnitt ihr Gesicht und schlug ihr auf den Kopf. Sie stürzte und ein anderer Hutu spießte sie mit seinem Speer auf. Ein weiterer Hutu nahm ihr Baby und tötete es.”

Angesichts der tödlichen Bedrohung durch die Hutu-Milizen bildeten sich binnen eines Tages in Ruanda Flüchtlingsströme gewaltigen Ausmaßes der Tutsi-Minderheit.

Erst die Tutsi-Rebellenarmee Ruandische Patriotische Front unter Führung des heutigen Präsidenten Paul Kagamé beendete das brutale Vorgehen und brachte das Land unter Kontrolle

2011 traf der damalige französische Präsident Nicholas Sarkozy in Ruanda seinen Amtskollegen Kagamé. Dieser behauptet heute, Frankreich und Belgien seien an dem Völkermord beteiligt gewesen.

Romain Nadal, Sprecher des französischen Außenministeriums, weist den Vorwurf zurück:

“Diese Behauptungen sind nicht akzeptabel und ohne Grundlage. Wir können eine verlässliche und freundschaftliche Beziehung zu Ruanda nur auf der Basis von Wahrheit und Aussöhnung aufbauen.”

Als Konsequenz aus den ruandischen Vorwürfen wird die französische Justizministerin Christiane Taubira nicht – wie ursprünglich geplant – am Montag zu der zentralen Gedenkfeier in der ruandischen Hauptstadt Kigali reisen.