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Lärmstress in den Tiefen der Ozeane


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Lärmstress in den Tiefen der Ozeane

Die Ruhe der Ozeantiefen ist in Gefahr. Durch die Industrialisierung von Küstengebieten wird es in den nächsten Jahrzehnten zu einer immer stärkeren Lärmbelastung unter Wasser kommen. Der vom Menschen verursachte Krach hat Konsequenzen auf viele Meeresbewohner. Bei Fischen, Meeressäugern und wirbellosen Wassertieren sorgt Lärmstress für chronische Schäden, bringt die Nahrungskette durcheinander, beeinträchtigt das Fortpflanzungsverhalten und stört zum Beispiel das empfindliche Kommunikations- und Orientierungssystem von Walen.

Mit der Lärmverschmutzung befasst sich das Labor für angewandte Bioakustik der Technischen Universität Katalonien in Vilanova i la Geltrú bei Barcelona im Rahmen eines internationalen Forschungsprojekts namens LIDO. Die Abkürzung steht für “Listen to the Deep Ocean Environment “. Ziel ist die Entwicklung von Messsystemen zur Analyse von Meeresgeräuschen. Wissenschaftler werten akustische Unterwassersignale aus der ganzen Welt aus und untersuchen, ob es sich um natürliche oder menschliche Geräuschquellen handelt. Der Franzose Michel André leitet das Labor.

Michel André: “Wir benutzen Unterwassermikrofone, sogenannte Hydrofone, mit denen wir Schallwellen in unterschiedlichen Meeresschichten einfangen können. Sobald wir diese Geräusche aufgezeichnet haben, werden sie in einem Netzwerk in Echtzeit analysiert, um festzustellen, ob sie von Walen oder Schiffen stammen, damit wir das Zusammenspiel zwischen künstlichen und biologischen Geräuschen besser verstehen.”

Die Hydrofone befinden sich in bis zu 3000 Metern Tiefe und sind per Glasfaserkabel, Funkbojen oder Antennen mit dem Festland verbunden. Sie liefern Daten aus zum Teil bisher unerforschten Ozeangebieten. Alle Informationen sind weltweit in Echtzeit über das Internet abrufbar und liefern den Wissenschaftlern eine aktuelle Karte der weltweiten Lärmbelastung der Meere.

Michel André: “Dieses Netzwerk erstreckt sich heute auf die ganze Welt, auf sämtliche Ozeane. Das Projekt begann 2002 mit dem Rolex-Preis für Unternehmergeist für ein Projekt, das sich mit der Vermeidung von Zusammenstößen zwischen Walen und Schiffen befasste.
Wie man auf der Karte sieht, sind all diese kleinen Punkte Messstationen, zu denen wir Zugang haben. Das Meer ist niemals ganz still. Hier haben wir den Gesang bestimmter Wal-Arten und diese dünnen Striche sind Geräusche, die von Schiffen stammen.”

Ziel des Projekts ist nicht nur die Vermeidung von Kollisionen, indem Schiffsbesatzungen rechtzeitig vor großen Walen gewarnt werden. Allen Ozeannutzer wie Erdölkompanien oder Windparkbetreibern, die ihren Lärmausstoß verringern wollen, steht ein Internet-gestütztes Netzwerk zur Verfügung.

Claudio Rocco, euronews: “Wir machen den Lärmtest auf einem Boot, dass die Wissenschaftler mit einem Unterwassermikrofon ausgestattet haben, um die Qualität der Datenübertragung vom Meeresboden zu überprüfen.
Können Sie uns erklären, was das für Geräte sind?”

Michel André: “Das ist der Kern unserer Technologie. In dieser Kiste befinden sich Schaltkreise, die sämtliche Geräusche des Meeres aufzeichnen. Und diese Analyse wird in Echtzeit per Internet in die ganze Welt geschickt.”

Die Daten werden über Mobilfunknetz oder Satellitenverbindung an Land übertragen. Mit dem LIDO-Projekt wollen die Wissenschaftler das Bewusstsein für die Lärmverschmutzung der Ozeane schärfen und über die Auswirkungen auf bedrohte Meeresbewohner aufklären.

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