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Präsidentenwahl in Algerien: Wahlkampf ohne Hauptdarsteller

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Präsidentenwahl in Algerien: Wahlkampf ohne Hauptdarsteller

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Gut eine Woche vor der Präsidentenwahl in Algerien geht der Wahlkampf in die heiße Phase. Allerdings ohne den Hauptdarsteller, Amtsinhaber Abdelaziz Bouteflika. Der schwerkranke 77-jährige meidet öffentliche Auftritte und lässt sich wie bei diesem Termin in der Hauptstadt Algier von seinem Wahlkampfmanager Abdelmalek Sellal vertreten. Trotzdem will sich Bouteflika nach 15 Jahren Präsidentschaft am 17. April wiederwählen lassen.

Die Opposition bezweifelt, dass Bouteflika überhaupt wieder kandidieren darf. Schließlich muss jeder Bewerber ein ärztliches Attest vorlegen, das ihm die Amtsfähigkeit bescheinigt. Diesen Nachweis erbrachte der Präsident jedoch.

Ernsthafte Konkurrenz muss Bouteflika nicht befürchten. Prominentester Gegenkandidat ist der ehemalige algerische Premierminister Ali Benflis. Er forderte Bouteflika bereits bei der Präsidentschaftswahl 2004 heraus und erhielt damals 6,4 Prozent der Stimmen.
Bouteflika dagegen genießt die volle Unterstützung der algerischen Elite. Sie besteht aus den Spitzen der Armee und der Regierungspartei FLN, die Algerien seit der Unabhängigkeit 1962 regieren.
Und viele Algerier verehren Bouteflika. Vor allem rechnen sie ihm hoch an, dass es ihm gelungen ist, den jahrelangen blutigen Bürgerkrieg zu beenden, der in den 1990er Jahren 200.000 Menschenleben forderte.

Hinzu kommt, dass Bouteflika im Frühjahr 2011 mit weitreichenden Reformversprechen die aufkommende Protestbewegung im Keim unterdrückt und damit einen Aufstand wie in anderen arabischen Staaten verhindert hat. Angesichts der angespannten Situation in Libyen und Ägypten sind viele Algerier froh, dass ihnen der arabische Frühling erspart blieb.

Vieles spricht also dafür, dass Bouteflika ungeachtet seines schlechten Gesundheitszustandes für weitere fünf Jahre algerischer Präsident bleiben wird.