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Budapester Radiogeschichte: Krieg, Politik und Fußball

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Budapester Radiogeschichte: Krieg, Politik und Fußball

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Das Budapester Rundfunkhaus blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Im prachtvollen Esterhazypalast nahm Mitte der 20er Jahre eines der ältesten Rundfunkstudios Europas seinen Betrieb auf. Dort befindet sich noch heute das berühmte Studio 6, ein Hörfunksaal mit bemerkenswerter Akustik. Eine ganz neue Klangwelt, 1935 vom ungarischen Biophysiker und Nobelpreisträger Georg von Bekésy konzipiert.

Tamás Vásáry, Ehrenmusikdirektor des Symphonieorchesters des ungarischen Rundfunks:
“Die Akustik in diesem Studio ist ausgezeichnet, was an der speziellen Holzvertäfelung an den Wänden und der Decke liegt. Die Form der Holzplatten ist ausgeklügelt. Es gibt viele dreieckige Löcher in der Verkleidung, die für eine klare akustische Atmosphäre sorgen. Das Studio 6 ist der ideale Ort für Aufnahmen und Konzerte .”

Große Dirigenten wie Otto Klemperer standen hier am Pult. Das Budapester Symphonieorchester wurde 1943 vom Dirigenten Ernst von Dohnányi gegründet und gewährte zumindest bis 1944 seinen jüdischen Mitgliedern Schutz.

Attila Boros, Musikhistoriker: “Im Frühjahr 1945, unmittelbar nach Kriegsende, mussten wir das Rundfunkgebäude freiräumen, im Hof lagen Schutt und tote Pferde. Das Leben kehrte schnell zurück. 1947 kam Otto Klemperer nach Budapest und übernahm die Leitung des Orchesters.”

Nicht nur die schönen Klänge machten das Budapester Radio zu einem begehrten Ort.

Als erstes elektronisches Massenmedium wurde der ungarische Hörfunk mehrfach zum Schauplatz dramatischer Ereignisse in der modernen Geschichte, während des Zweiten Weltkriegs, der Schlacht um Budapest und während des ungarischen Volksaufstands 1956, als Zehntausende vor dem Budapester Rundfunkhaus demonstrierten.
Piroska Debrenti arbeitete damals als Nachrichtensprecherin beim Radio.

Debrenti erinnert sich noch genau an den Beginn der Demonstrationen am 23. Oktober 1956: “Wir hörten Schüsse und sahen junge Soldaten im Hof des Runfunkgebäudes. Wir konnten nicht sehen, ob sie bewaffnet waren. Es waren blutjunge Männer, die ein paar Wochen später ihren Militärdienst beendet hätten. Aber sie mussten das Radio beschützen und wurden erschossen.”

Nur wenige Wochen später wurde der Aufstand von der Sowjetarmee blutig niederschlagen.

Schon bald sollte eine andere, diesmal friedliche Revolution die ungarische Medienlandschaft nachhaltig verändern: die Einführung des Fernsehens

Die Sternstunde des ungarischen Fußballs, den 6:3-Sieg gegen England 1953 im Londoner Wembleystadion mussten die Ungarn allerdings noch am Radio mitverfolgen.