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Irland: Der keltische Tiger brüllt wieder - aber zu welchem Preis?

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Irland: Der keltische Tiger brüllt wieder - aber zu welchem Preis?

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Nach fünf Jahren Sparpolitik und einem internationalen Hilfspaket kommt Irland langsam wieder auf die Beine. In diesem Jahr wird mit einem Wirtschaftswachstum von zwei Prozent gerechnet. Das Haushaltsdefizit ist niedrig, ebenso die Zahl der Arbeitslosen.

Irische Exportgüter sind wieder gefragt, wie der zuständige Minister für europäische Angelegenheiten, Paschal Donohoe, erklärt: “Wir haben einen Export-Sektor, der alles umfasst, von der Landwirtschaft bis hin zu Finanzdienstleistungen, Versicherungen, Bankenwesen und Technik. Damit verfügte Irland über einige Wachstumsmotoren, die das Land sicher durch eine schwierige Zeit brachten.”

Zahlreiche internationale Unternehmen haben sich in dem Land angesiedelt.Die geringe staatliche Regulierung und die Körperschaftssteuer von 12,5 Prozent dürften der Grund dafür sein.

“90 Prozent der irischen Exporte stammen von ausländischen Unternehmen, nur 10 Prozent von Irischen”, so Dan O’Brien, Chef-Ökonom des Instituts für internationale und europäische Angelegenheiten. “Kein anderes Land auf der Welt ist bei seinen Exporten so abhängig von ausländischen Firmen, die in das Land kommen und dort arbeiten. Die Firmen kommen aus mehreren Gründen hierher. Sie kommen, weil Irland ein englischsprachiges Land ist, das in der Eurozone und im Binnenmarkt ist. Es gibt einen hohen Bildungsstandard, flexible Arbeitskräfte und die viel besprochene, niedrige Körperschaftssteuer.”

Irland wurde zum Musterbeispiel für die Sparmaßnahmen von EU und IWF. Das Land verließ den Rettungsschirm im vergangenen Dezember. Aber welchen Preis zahlten die einfachen Leute dafür? Schätzungsweise rund 177.000 Menschen zwischen 15 und 24 haben in den vergangenen fünf Jahren das Land verlassen.

Roisin Peddle denkt ebenfalls darüber nach. Sie hat soeben ihren Master in Journalismus gemacht und überlegt nun, außerhalb von Irland zu arbeiten.

“Mir wurde klar, dass es nur Teilzeitjobs gibt und dass es schwierig sein dürfte, von 200 Euro in der Woche zu leben”, erzählt sie. “Ich hatte mehrere Vorstellungsgespräche für Journalisten-Jobs und andere Sachen. Es zeigte sich aber bald, dass es wohl in Irland nichts werden würde. Ich denke nun darüber nach ins Ausland zu gehen, wahrscheinlich im nächsten Jahr, hoffentlich.”

Dann zeigt sie ein Foto und erklärt: “Das sind die Leute aus meinem Masterstudium. Ein Mädchen arbeitet in London, als Journalistin. Einer ist nach Südkorea gegangen und unterrichtet dort. Ein Mädchen arbeitet als Au-Pair in Frankreich. Und eine Kommilitonin ist von Neuseeland nach Australien ausgewandert, um dort zu arbeiten. Ihr geht es dort richtig gut.”

Während Roisin von Abenteuern in Asien träumt, wollen andere bleiben. Die Gruppe “Wir gehen nicht” wurde im letzten Sommer gegründet. Es sind junge Leute, Absolventen, arbeitslos oder prekär beschäftigt.

Der 22-jährige Seamus Farrell ist einer von ihnen. Er erzählt: “Wenn wir zusammenarbeiten, gemeinsam, und uns auch ein bisschen wehren, dann können wir Fortschritte machen und etwas Nützliches auf die Beine stellen. Ich glaube, es gab da ein paar Äußerungen seitens der Regierung, dass junge Leute faul seien, dass sie nicht hart genug arbeiteten, dass sie nur zu Hause rumsitzen würden. Die Regierung entschuldigt damit die Kürzungen bei der Sozialhilfe und dass sie die Arbeitslosigkeit nicht in den Griff bekommt. Wir müssen uns dem entgegenstellen, sonst werden wir immer wieder zurückstecken.”

Die vielen jungen Menschen, die ins Ausland gehen, auf der Suche nach einem besseren Leben, bedeuten für Irlands Wachstums-Aussichten allerdings einen deutlichen Rückschlag.