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"Motopoétique", eine Liebeserklärung an das Motorrad und die Kunst

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"Motopoétique", eine Liebeserklärung an das Motorrad und die Kunst

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Motorrad fahren kann sicherlich eine Kunst sein. Was aber Motorräder und die Welt der Biker mit zeitgenössischer Kunst zu tun haben, zeigt eine Ausstellung im Musée d’Art Contemporain in Lyon. euronews-Reporter (und Biker) Wolfgang Spindler hat sich umgeschaut.

Heiße Öfen, grelle Visionen und gewagte Fantasie: Willkommen in der schier grenzenlosen Bikerwelt!
Über 40 Vertreter der internationalen Kunstszene haben sich von Mensch und Maschine inspirieren lassen. Motorräder sind die Stars der Gruppenausstellung "Motopoétique", kuratiert von Barbara Polla und Paul Ardenne.

Paul Ardenne: “Wir wollten ausschließlich experimentelle Werke zeigen. Das bedeutet, dass sich die Künstler nicht mit einer bloßen, illustrativen Darstellung des Motorrads als solches zufriedengeben oder mit Clichés, wie: Das Motorrad ist das Symbol der Freiheit. Sondern dass sie viel weiter gehen, neue Wege der kreativen Schaffenskraft eröffnen.”

Fett steckt beim Kraftrad für gewöhnlich in Kette und Getriebe. Der Franzose Laurent Faulon hat das Innere nach außen gekehrt. “Heavy Rider” nennt er seine kräftig eingeschmierten Motorräder.

Laurent Faulon, Künstler: “Für mich sind das begehrte Konsumobjekte, die im Fett unserer Bedürfnisse feststecken. Die Idee war, die Motorräder so zu behandeln, dass sie anziehend und abstoßend zugleich sind.”

Der aus Malaysia stammende, in Frankreich lebende Künstler Moo Chew Wong ist ein großer Motorrad- und Frauenfan. Die 30 Gemälde sind speziell für die Ausstellung entstanden.

Moo Chew Wong, Künstler: “Wenn ich junge Frauen auf Motorrädern sehe, bin ich völlig fasziniert. Für mich ist das das Erotischste überhaupt. Drei bis vier Stunden brauche ich für ein Bild, trage die Farbe ausschließlich mit dem Messer auf. Das ist eine sehr persönliche und schnelle Maltechnik. Action Painting, Quick Paintings!”

Dieser elegante Chopper besteht zu hundert Prozent aus Klebstoff und Pappkarton. Der in Italien lebende Brite Chris Gilmour hat ein berühmtes Originalmodell täuschend echt nachgebaut. Pappskulpturen sind seine Spezialität.

Wolfgang Spindler, euronews: “Wie viele Tage und Wochen brauchen Sie dafür?”

Chris Gilmour, Künstler: “Ungefähr zwei oder drei Monate für dieses Modell. Das ist der Chopper aus Easy Rider, Peter Fondas Motorrad. In meinen Arbeiten verwerte ich ausgedientes Verpackungsmaterial, um wertvolle oder wichtige Objekte darzustellen. “

Die Französin Tïa-Calli Borlase ihrerseits hat Motorräder eingepackt, Modelle der Marken Ducati und BWM.

Die eingeschnürten Maschine sehen aus wie mittelalterliche Turnierpferde. Die Künstlerin ist selbst Reiterin und befasst sich in ihren Werken mit dem Thema Pferd.

Tïa-Calli Borlase, Künstlerin: “Ich habe die Motorräder völlig eingehüllt und ihnen ein Ledergeschirr umgeschnallt, das in der Tat an Reitausrüstung erinnert. Im Grunde ist das eine Annäherung zwischen der Welt der Motorräder und der Welt der Pferde.”

Mensch, Maschine und den kreativen Raum dazwischen erkundet die Ausstellung “Motopoétique”, eine Liebeserklärung an das Motorrad und die Kunst.

Wolfgang Spindler, euronews: “Ob Kunst oder künstlich, jeder muss das selbst beurteilen. Eines ist sicher, ein so populäres Thema, wie die Welt des Motorrads, bringt sicherlich viele in ein Museum für zeitgenössische Kunst, die bisher einen großen Bogen um Kulturinstitutionen fuhren.”