Eilmeldung

Eilmeldung

Präsidentenwahl in Algerien ohne echte Wahl

Sie lesen gerade:

Präsidentenwahl in Algerien ohne echte Wahl

Schriftgrösse Aa Aa

Am Donnerstag wird in Algerien ein neuer Präsident gewählt. Es wird der alte sein, soviel ist sicher. Abdelaziz Bouteflika kandidiert für seine vierte Amtszeit. Der 77jährige wurde nach einem Schlaganfall vor einem Jahr erst vor wenigen Tagen wieder in der Öffentlichkeit gesehen, als er den spanischen Außenminister empfing. Gegenüber José Manuel Garcia Maragallo sprach Bouteflika von “Aufrufen zur Gewalt” in Algerien, von “undemokratischem Verhalten” . Davor würden die Behörden die algerischen Familien, die Kinder schützen. Der Terrorismus komme durch das Fernsehen. Damit ist der Gegenkandidat Ali Benflis gemeint. Um das Jahr 2000 war er einmal Regierungschef, 1999 leitete er als Chef von Bouteflikas Büro dessen ersten Wahlkampf. 15 Jahre später wirft er im Wahlkampf seinen alten Chef Wahlfälschung vor. Damit erreicht er vor allem jungen Leute, weshalb er sich bei seinen Reden auch ihres Wortschatzes bedient, wenn er sagen will, dass er es anders machen werde.

Offiziell können sich 22 Millionen Wahlberechtigte zwischen 6 Kandidaten entscheiden. Wobei – wenn überhaupt – nur Ali Benflis die Chance eingeräumt wird, Bouteflika eine Stichwahl abzutrotzen.

Auf den Plakaten sieht man auch ein weibliches Gesicht. Louisa Hanoune, Vorsitzende der Arbeiterpartei und seit 1999 im Parlament, tritt zum drittenmal an. Ebenso Fawsi Rebaine. Dann sind da noch Moussa Touati von der Partei der konservativen Nationalisten und der jüngste in der Runde, Abdelaziz Belaid, erst ein Jahr nach der Unabhängigkeit geboren. Er war einmal das jüngste Mitglied im Führungsgremium der Regierungspartei.
2012 schied er aus und gründete seine eigene Partei.

Der Politikwissenschaftler Fodil Boumala bezeichnet die Existenz von mehreren Kandidaten als “reine Illusion”. Diese Wahlen bieten nach seine Beobachtung keine Möglichkeit für eine Debatte über verschiedene politische Ideen. Er sieht vielmehr die Probleme des Landes durch diese Art Wahl noch weiter anwachsen.

Die Einreisemöglichkeiten für ausländische Journalisten und Wahlbeobachter wurden auf ein Minimum beschränkt.