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Streit um Geschichtsdeutung in U/ngarn

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Streit um Geschichtsdeutung in U/ngarn

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Nachkommen von Holocaust-Überlebenden protestieren in Budapest gegen ein Denkmal, mit dem Ungarn als das unschuldige Opfer Hitlers dargestellt werden soll. Am Bauzaun stellen sie ihre Sicht auf jenen Abschnitt der ungarischen Geschichte dar, als Ungarn zwischen Oktober 1944 und der Ankunft der Roten Armee im März 1945 von der deutschen Wehrmacht besetzt war.

“Hier wird Geschichte verfälscht”, sagt eine protestierende Frau. Deshalb komme sie täglich mit Gleichgesinnten, um auf ihre Art zu protestieren.

Ein Reichsadler am neuen Denkmal trägt den Erzengel Gabriel in seinen Fängen. Zusätzliche Brisanz bekommt das Denkmal durch die Tatsache, dass auch die Bundesrepublik Deutschland den Adler zu ihrem Wappeltier erwählt hat. Ungar stand im II.Weltkrieg lange an der Seite Hitlerdeutschland und wechselte die Seiten, als die Niederlage absehbar war. Weshalb Ungarn ab 31. Mai 1944 von der Wehrmacht besetzt wurde. Zum 70 Jahrestag soll das Denkmal des unschuldigen Ungarn eingeweiht werden.

Auch der Historiker Istvan Rev kritisiert dieses Geschichtsbild und erinnert daran, dass es eine ungarische Mitverantwortung gibt für die Deportation von 437.000 Juden – zumeist ungarische Staatsbürger – in die Vernichtungslager.

Die jüdische Vereinigung in Ungarn hat beschlossen, die Feiern zur Einweihung dieses Denkmals zu boykottieren.

Diese Auseinandersetzung überschatte auch die alljährliche Gedenkveranstaltung am 16. April,
bei der der ungarischen Opfer des Holocaust gedacht werde, erklärt die euronews-Reporterin.

Am 16. April 1944 begannen die Deportationen.
Als sich dann die Rote Armee der Stadt näherte und keine Transportmittel mehr zur Verfügung standen, wurden noch nicht deportierte Juden in die Donau getrieben. Erschossen oder einfach ertränkt.
Dabei tat sich eine ungarische Miliz mit Namen “Pfeilkreuzler” besonders grausam hervor.

Der Bürgermeister eines Stadtteils von Budapest, Zoltán Pokorni, meint: “Man darf den Holocaust nicht als ein Ereignis aus ferner Vergangenheit ansehen. Er gehört zur ungarischen Geschichte. Die Mörder waren Ungarn, die Opfer waren auch Ungarn. Darum ist das hier unsere Angelegenheit.”

Die Kritiker des neuen Opfer-Denkmals werfen der Regierung vor, damit rechtsextremistischen Strömungen nachzugeben.