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Hatte Algerien die Wahl: Reportagen aus einem Land voller Widersprüche


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Hatte Algerien die Wahl: Reportagen aus einem Land voller Widersprüche

In Algerien lässt sich ein kranker, vom Schlaganfall gezeichneter Präsident für eine vierte Amtszeit wählen. Die anderen fünf Kandidaten gelten nur als Dekoration. Dabei möchte vor allem Ali Benflis Algerien verändern. Schweizer Reporter berichten aus einem Land voller Widersprüche.

Ali Benflis verlässt sein Wohnhaus und macht sich auf zu seinem Wahlkampfzentrum
Er ist der Herausforderer von Präsident Bouteflika.
Im ganzen Land hat er Wahlkampf gemacht, Massen haben ihm zugehört, wenn er sagte:
“Hier ist alles blockiert”.
Als er das sagt, steckt sein Wagen gerade im normalen Stau der Hauptstadt.
Also geht er zu Fuß weiter, ohne Bodygards. Er vertraut darauf, dass seine Bekanntheit ihn schützt. 2004 trat er bereits gegen Präsident Bouteflika an. Nach der Niederlage im 1. Wahlgang sprach er von Fälschung.
Zehn Jahre später ist er wieder dabei und sagt: “Wenn die Wahlen wieder gefälscht werden, werde ich nicht schweigen.”

Zum Wahltag schickt er 60.000 Beobachter in die Wahllokale.
Er ist sich seines Sieges sicher, auf den er seit 10 Jahren hinarbeitet. Er rechnet damit, dass die Wähler diesmal Fälschungen nicht mehr schweigend hinnehmen werden,.denn diesmal gehen auch viele Junge wählen, anders als 2004.
Diese Jugend ist offen, vertraut mit Internet, mit Facebook, sie weiß, was in Australien, der Schweiz, den Emiraten geschieht. Sie will teilhaben am politischen Leben ihres Landes.

Auf eine einige Opposition kann Ali Benflis aber nicht setzen. Im Zentrum von Algier verteilt Massi mit einem Freund Flugblätter. Ein riskantes Unterfangen. Die beiden gehören zur Bewegung “Ba-ra-kat”, das bedeutet “Es reicht”.
Diesmal rettet unsere Kamera sie vor der Festnahme.

In einer Wohnung treffen wir die Freunde wieder.
Amira Boraoui ist dabei, die Gründerin dieser Protestbewegung. Angeekelt von der Aussicht auf eine vierte Bouteflika-Präsidentschaft, organisiert die Ärztin seit dem 22. Februar Proteste.
“Wir lehnen diese Wahlen rundheraus ab, weil das nur eine Maskerade ist.
Man muss wissen, dass das algerische Volk seit sehr langer Zeit keine Wahl mehr hat.
Hier ist der Ausgang des Spiels vorher festgelegt. Wir wollen Demokratie ohne den alten kranken Mann, der sich hinter einer Mafia mit politisch-finanziellen Interessen verbirgt, die sich die Taschen füllt und das Volk ignoriert. Das nehmen wir nicht länger hin.”
Die Bewegung Barakat unterstützt keinen Kandidaten, sie hofft auf eine friedliche Revolution in Algerien.

Algerien größte Herausforderung ist seine Wirtschaft. Das Land ist reich an Bodenschätzen.
Aber die Bevölkerung ist bitterarm.
Reporter von France 2 versuchen diesen Widerspruch zu erklären.

Das Land hat enorme Vorräte an Erdöl und Erdgas.
Einmal Volltanken kostet 6 Euro.
Der reiche Internationale Währungs-Fonds leiht sich hier Geld.
Hier liegen die größten Baustellen Afrikas.
Aber die Arbeitslosigkeit wird nicht geringer.

70 % der Algerier sind jünger als 20.
Diese Jugend hat die Jahre des blutigen Bürgerkrieges nach der abgebrochenen Parlamentswahl 1992 nicht erlebt und auch nicht die Verdienste von Präsident Bouteflika um die Befriedung.

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

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