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Ein neues Leben in Göteborg - wie die Krise immer mehr Griechen nach Norden treibt

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Ein neues Leben in Göteborg - wie die Krise immer mehr Griechen nach Norden treibt

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Eleftheria Gerofoka ist Schauspielerin und Regisseurin. Vor drei Jahren verliess sie ihre Heimat Griechenland – zu hart die Krise, zu unregelmässig wurde sie bezahlt.

In Schweden fing sie ein neues Leben an: als Putzkraft im Angereds-Theater von Göteborg. Drei Jahre später hat sie Schwedisch gelernt und führt auf der Bühne wieder ihre eigenen Stücke auf.

Gerofoka sagt unserer Reporterin Efi Koutsokosta: “Das erste Jahr war wirklich hart, ich habe oft geweint. Ich wusste wirklich nicht, wie es weitergehen soll mit mir und wie ich durchkommen soll. Die Last und der Stress, die man als Einwanderer trägt, sind wirklich schwer.”

Die griechische Gemeinde in Göteborg wächst beständig an. Auch George Zapartas kam hier her vor einem halben Jahr – mit ihm seine Frau und seine beiden Kinder. In seiner Heimat arbeitete er noch im Mediensektor, bevor er fristlos entlassen wurde.

Was folgten waren viele unterschiedliche Jobs, um sich gerade so über Wasser halten zu können. Schliesslich entschied er sich, in Schweden von vorne anzufangen. Zur Zeit lernt er die Landessprache und hofft nun Arbeit zu finden, die seiner Qualifikation entspricht.

“Ich hätte nie gedacht, dass ich mit 40 noch einmal auswandern würde”, sagt Zapartas. “Ich hatte aber keine Wahl, ich wurde dazu mehr oder weniger gezwungen. Die Unsicherheit wächst Tag für Tag. Man weiss nie, was morgen sein wird, oder gar in einem Monat. Hier weiss man das, ich weiss, dass ich in sechs Monaten gewisse Dinge abschliessen werde, ich habe sozusagen ein Programm. In Griechenland weiss man das nicht, und die Unsicherheit frisst einen auf, das ist wie ein Krebsgeschwür.”

Manche sind aber schon vor der allgemeinen Krise ausgewandert, weil es um ihre Berufssparte auch schon davor schlecht stand. George Tsikantilakis ist Orthopäde und die Nachfrage nach Medizinern in seinem Bereich in Schweden ist gross. Viele qualifizierte Griechen wie er folgen dem Ruf, denn auch sie haben keine andere Wahl.

In seiner Praxis in Göteborg erzählt uns Tsikantilakis: “Man kann sich schon spezialisieren, aber dann kann man in diesem Bereich nicht arbeiten. Als ich gegangen bin, betrug die Wartezeit auf eine Anstellung in Griechenland sieben bis acht Jahre. Also man kann abwarten und Jahre lang nichts verdienen – oder gehen.”

Rund 2.500 Griechen kamen 2012 nach Schweden, das entspricht einer Steigerung von 250 Prozent im Vergleich zu 2006.

Anderthalb Millionen Hellenen haben das Land in den vergangenen drei Jahrn verlassen – vor allem nach England, Deutschland, Belgien, die Schweiz und Schweden.

Göteborgs Griechen vermissen ihre Heimat – aber wollen sie eines Tages überhaupt dorthin zurück kehren?

“Ich würde mich dort nicht mehr zurecht finden. Ich könnte nur noch als privater Arzt arbeiten, aber die Zeiten für die Privaten in Griechenland sind zu hart”, so Orthopäde Tsikantilakis.

“Ich verstehe nicht, wie ein Land in Schulden versinkt und dann plötzlich vor den Wahlen haben wir auf einmal wieder Geld”, fragt sich George Zapartas.

Und Schauspielerin Eleftheria Gerofoka meint: “Ich habe keine Türen geschlossen. Ich meine, wir leben in Europa. Wir können in Schweden arbeiten, oder in Griechenland, in Deutschland, oder sonstwo. Ich lebe jetzt hier, aber wo ich morgen sein werde, weiss ich nicht. So müssen wir mittlerweile denken, wir sind wie Vögel geworden, heute hier, morgen da.”