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Filmfestival Istanbul: Viel Kino und eine Stadt, die scheinbar nie zur Ruhe kommt

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Filmfestival Istanbul: Viel Kino und eine Stadt, die scheinbar nie zur Ruhe kommt

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Eine wichtige Plattform für aktuelle und künftige Filmprojekte ist das internationale Filmfestival von Istanbul. “Eine Brücke zwischen Europa und Asien, deswegen haben wir unser Forum für Ko-Produktionen “Meeting on the Bridge” genannt”, so Festivaldirektorin Azize Tan. “Wir wollen europäische und internationale Filmemacher mit türkischen Regisseuren und Zuschauern zusammenbringen.”

Das Festival gilt als das älteste und bedeutendste in der Türkei mit einem internationalen und nationalen Wettbewerb, Panorama-Sektionen und Spezialprogrammen. Auch bei der diesjährigen 33. Ausgabe des Filmtreffens am Bosporus drehte sich wieder alles um die Tulpe. Goldene Tulpen, um genau zu sein. So heißen die Preise des Festivals.

Der Norweger Eskil Vogt nahm den Preis für den Besten Internationalen Film entgegen, überreicht von Jury-Präsident Asghar Farhadi.

Sein Film “Blind” handelt von einer jungen Frau, die erblindet und versucht, die schwindende optische Wahrnehmung durch andere Sinne auszugleichen. Doch bald verschwimmen Wirklichkeit und Vorstellung auf gefährliche Weise.

Eskil Vogt: “Am Anfang stand die Idee, das Thema Blindheit mit den aufregenden Möglichkeiten des Kinos zu behandeln. Es war eine nahezu spielerische Herangehensweise. Im Zuge meiner Recherchen sprach ich außerdem mit Menschen, die ihr Augenlicht verloren hatten. Und diese menschliche Tragödie wurde zu einem Bestandteil der Geschichte.”

Die “Goldene Tulpe” für den besten türkischen Film im nationalen Wettbewerb erhielt die Produktion “I am not him” (“Ben O Değilim”) von Tayfun Pirselimoğlu.

Tayfun Pirselimoğlu: “Diese Geschichte handelt davon, die Identität zu wechseln. Es geht um einen Mann, der in einer Krankenhauskantine arbeitet und sich allmählich in einen anderen Mann verwandelt, sein Leben und sein Schicksal auf unvorhersehbare Weise verändert.”

Ercan Kesal spielt den Mann, der nach und nach in die Haut eines anderen schlüpft und ihn an der Seite seiner Frau zu ersetzt.

Den Preis für die beste Regie erhielt Onur Ünlü für die Thriller Stire “Let’s Sin”, (“İtirazım Var”)

Weil nach einem Mord in seiner Moschee die Politei nicht besonders motiviert scheint, den Täter zu suchen, nimmt ein Imam (Serkan Keskin) kurzerhand selbst die Recherchen in die Hand. Mit zum Teil unorthodoxen Methoden.

Onur Ünlü: “Auf die Idee zu diesem Filmprojekt kam schon vor 20 Jahren als ich noch Student war und mehrere Moscheen besuchte. Kriminal- und Detektivgeschichten waren eine weitere Inspirationsquelle.”

Serkan Keskin: “Die Rolle als Imam verlangte eigentlich kaum Vorbereitung, schließlich lebe ich in einem muslimischen Land. Aber für den Boxkampf und die musikalischen Szenen musste ich schon ganz schön üben. Letzten Endes ist dieser Imam auch nur ein Mensch. Insofern war das keine so schwierige Rolle.”

Den Preis für die beste Schauspielerin nahm die in der Türkei beliebte Fernsehdarstellerin Vahide Gördüm entgegen.

Ausgezeichnet wurde sie für ihre Rolle in dem Drama“Ayhan Hanim” von Levent Semerci. Der Film handelt von einer Mutter, die Anfang der 80er Jahre Widerwillen mit den Auswirkungen des Militärputschs konfrontiert wird.

Rund 230 Filme wurden während des zweiwöchigen Festivals in Istanbul vorgestellt. euronews-Korrespondent Wolfgang Spindler fast zusammen: “Am Bosporus gab es während des internationalen Filmfestivals viel zu sehen und zu entdecken. Ein unendlich reichhaltiges Filmprogramm und eine Stadt, die brodelt und scheinbar nie zur Ruhe kommt.”