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"Krimverbot" für Anführer der Krimtataren?

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"Krimverbot" für Anführer der Krimtataren?

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Der Anführer der Krimtataren darf die Krim offenbar nicht mehr betreten.

Das teilte das Parlament der Krimtataren mit, dem Mustafa Dschemiljew lange Zeit vorstand.

Eine Sprecherin sagte, Dschemiljew sei bei der Fahrt in die Festlandsukraine an der Grenze ein Schreiben übergeben worden.

Es verbiete ihm für fünf Jahre die Einreise nach Russland – also nach russischer Lesart eben auch auf die Krim.

Allerdings war dieses Schreiben eher formlos; es trug zwar ein Bild Dschemiljews, aber weder einen Briefkopf noch eine Unterschrift.

Die Krimtataren wollen mit Russland nichts zu tun haben: Auf ihrem Parlament wehte immer noch die ukrainische Fahne, die erst jetzt von Unbekannten heruntergeholt wurde.

Die Volksabstimmung über den Anschluss der Krim an Russland wurde von ihnen weitgehend boykottiert; von Russland rechnen sie sich nichts Gutes aus.

Im Krieg waren die Krimtataren – ein islamisches Turkvolk, so etwas wie die “Ureinwohner” der Krim – vertrieben worden, unter dem Vorwurf der Zusammenarbeit mit den Nazis.

Jahrzehntelang lebten sie in Mittelasien in der Verbannung. Dschemilijew saß in der Sowjetunion lange im Gefängnis.

Erst mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion durften sie in großem Maßstab wieder auf die Krim zurückkehren. Inzwischen stellen die Krimtataren dort etwa ein Achtel der Bevölkerung.

Ob das Schreiben, das Dschemiljew jetzt an der Grenze der Krim erhielt, wirklich von russischen Behörden stammt, ist aber offen.

Die Grenzübergänge werden bisher nur von Milizen besetzt. Eine Stellungnahme von russischer Seite gibt es nicht.

Russland hat die Tataren auch gerade erst formell rehabilitiert – wie auch Deutsche, Armenier oder Griechen auf der Krim – und ihre Vertreibung für rechtswidrig erklärt.

Wie diese beiden Ereignisse nun zusammengehen sollen, ist unklar.