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USA: Wie hinrichten, wenn das zugelassene Gift fehlt?

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USA: Wie hinrichten, wenn das zugelassene Gift fehlt?

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Wie bestraft man Mörder im 21. Jahrhundert? Die Frage stellt man sich derzeit in den USA.
In den letzten Jahren wurden die meisten auf so eine Liege geschnallt und einer Giftspritze hingerichtet. Inzwischen wollen Hersteller des Giftcocktails nicht mehr öffentlich genannt werden.
An diesem Dienstag hat der Bundesstaat Oklahoma entschieden, die Hinrichtung von Charles Warner und Clayton Lockett aufzuschieben. Es fehlt das richtige Gift für die Todesspritze.
Anwälte von Verurteilten bestehen darauf, dass das Hinrichtungsgift der Kontrolle der staatlichen Behörde unterliegen müsse, weshalb nicht einfach irgendwo verfügbare Chemikalien eingesetzt werden dürften.

Die Diskussion ausgelöst hat das Sterben von Dennis McGuire, verurteilt vor 25 Jahren. Als ihm am 17. Januar im Staatsgefängnis von Ohio die Giftspritze gesetzt wurde, hörten und sahen die Zeugen ihn noch fast 30 Minuten würgen und röcheln. Es war wohl der längste Todeskampf in der an Todesurteilen reichen Justizgeschichte der USA.

Der Hintergrund: Die einzige Firma in den USA, die bisher das Todesprodukt für alle amerikanischen Hinrichtungsorte lieferte, hat im Januar 2011 die Produktion eingestellt. Bis Juli behalf man sich mit Pentobarbitual, geliefert von einer dänischen Firma. Das Mittel wird zum Einschläfern von Tieren eingesetzt. In der Schweiz auch bei der Sterbehilfe.
Dann wollte sich auch der dänische Lieferant nicht weiter den Protesten von Gegnern der Todesstrafe aussetzen. Auch Apotheker, die von der Justiz ersucht wurden, das Gift zu mischen, wollen nicht genannt werden. Das Gesetz sieht aber vor, dass die Herkunft des Giftes erkennbar sein muss.

Seit 1976 wurden in den USA 1376 Verurteilte hingerichtet. 3088 Verurteilte warten derzeit auf ihre letzte Stunde. Hingerichtet wird in 32 Bundesstaaten. Zumeist mit der Giftspritze.
Auch der elektrische Stuhl ist in einigen Staaten noch einsatzbereit. Ebenso Gaskammer, Galgen oder Erschießungskommando. In einigen Bundesstaaten können die Todeskandidaten ihre Hinrichtungsart wählen. Die Todesstrafe als solche steht in den US-Bundesstaaten, die sie noch praktizieren, eher nicht zur Disposition.