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Ein Jahr nach Rana Plaza: Quälende Erinnerungen

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Ein Jahr nach Rana Plaza: Quälende Erinnerungen

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Am Donnerstag jährt sich der Einsturz des Rana-Plaza-Komplexes zum ersten Mal. Noch immer klafft in Sabhar einem Vorort von Dhaka, der Hauptstadt Bangladeschs eine Lücke. Mehr als 1100 Menschen starben. Hunderte werden noch immer vermisst, fast hundert Leichen konnten nicht identifiziert werden.

Rashida Begum sucht noch immer nach ihrer Tochter: “Ich habe Kulsum nirgends gefunden. Selbst der Gentest brachte kein Ergebnis. Einzig Allah weiß, was mit ihr geschah. Wir haben keine Ahnung, wo die Behörden ihr Leiche haben”, sagt Rashida.

17 Tage lang war Reshma Begum unter den Trümmern begraben, bevor sie geborgen werden konnte. “Ich kann nachts die Dunkelheit in meinem Schlafzimmer nicht ertragen. Ich lasse immer das Licht an, wenn es ausgeht, gerate ich in Panik. Ich fühle mich dann so wie damals in der Rana-Plaza”, schildert Reshema ihre Gefühle.

Der Einsturz des neunstöckigen Gebäudes war das größte Fabrikunglück in der Geschichte Bangladeschs. Er löste Demonstrationen und eine internationale Kampagne zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie Bangladeschs aus.

Bangladesch ist nach China und Italien der drittgrößte Exporteur von Textilien. In den Textilfabriken Bangladeschs fertigen fast vier Millionen Menschen Waren für die großen Kaufhausketten und Labels.

Die internationalen Gewerkschaften IndustriAll und UNI haben einen Treuhandfonds eingerichtet. In diesen sollen die 29 Unternehmen, die in einer der Unglücksfabriken im Rana-Plaza-Gebäude fertigen ließen, zusammen 29 Millionen Euro einzahlen. Dann wird das Geld an die Familien der Opfer und die Überlebenden ausgezahlt. Eine erste Tranche von 465 Euro erhielten sie bereits jeweils, das meiste Geld soll noch folgen. Doch ist der Topf bislang noch nicht einmal halbvoll.

Bislang eingegangen:

- Der britische Modekonzern Primark ist Vorreiter. 723 000 Euro gehen in den Fonds, 1,34 Millionen Euro an alle Rana-Plaza-Arbeiter und weitere 6,5 Millionen Euro direkt an die Arbeiter, die für einen Primark-Zulieferer im zweiten Stock des Gebäudes arbeiteten.

- Die Entwicklungshilfeorganisation Brac USA sammelte zusammen 1,6 Millionen Euro ein, unter anderem von Gap, Walmart, The Children’s Place, Asda und VF Corporation. Manche davon ließen gar nicht in Rana
Plaza fertigen.

- Der Textilhändler C&A aus Düsseldorf stellt 500 000 Euro bereit.

- Der Textildiscounter Kik aus Westfalen zahlt 723 000 Euro. Die Hälfte geht in den Fonds, die andere Hälfte an lokale Hilfsorganisationen.

- Bonmarché, Camaïeu, El Corte Inglés, Inditex (Zara), Loblaw, LPP S.A., Mango, Mascot, N Brown Group und Premier Clothing zahlen einen unbekannten Betrag.

- Benetton, Matalan, Adler Modemärkte und Carrefour haben noch nichts eingezahlt.

Zum Gedenken an das Unglück findet am 24. April der erste Fashion Revolution Day zum Thema “Who Made Your Clothes?” statt. Mitmachen kann jeder, der seine Kleidung einen Tag lang auf links trägt: Dann ist auf dem eingenähten Etikett zu sehen, woher sie stammt. Ins Leben gerufen wurde der Gedenktag von der britischen Designerin Carry Somers, um Menschen für ihr Konsumverhalten und die Produktionsbedingungen ihrer Kleidung zu sensibilisieren.

Weiterführende Links

Verband der Textilunternehmen und -exporteure Bangladeschs (The Bangladesh Garment Manufacturers and Exporters Association (BGMEA)): Remembrance of One Year of Rana Plaza (englisch)

IndustriALL Global Union (Internationale Gewerkschaft): ACTION on Bangladesh (englisch, spanisch, französisch)

bdnews24.com: Reshma wants to forget Rana Plaza