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Reinhold Messner klagt an: "Den Everest nicht verstanden"

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Reinhold Messner klagt an: "Den Everest nicht verstanden"

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Bergsteiger-Legende Reinhold Messner kann die Sherpas verstehen, die nach dem schweren Lawinenunglück am Karfreitag nicht mehr aufsteigen wollten. “Ich finde diese Entscheidung der Sherpas sehr mutig”, sagte Messner der “Stuttgarter Zeitung”. Er hoffe, die Sherpas würden auch zu ihrer Entscheidung stehen und sich nicht wieder umstimmen lassen. Die jetzige Form des Everest-Tourismus sei ohnehin Selbstbetrug, meint Messner, der als erster ohne künstlichen Sauerstoff auf dem Gipfel stand. “Die Leute geben viel Geld aus und glauben, sie haben den Everest bestiegen. In Wirklichkeit haben sie den Everest nicht verstanden und nicht bestiegen und stattdessen viele Leute in den Tod laufen lassen.”

Nach einem Streik der Sherpas haben diese sich nun allerdings entschlossen, doch wieder auf den Everest zu steigen. Ein Sherpa-Sprecher sagte, ausschlaggebend sei gewesen, dass ein Hilfsfonds für alle Sherpas, für die verunglückten Sherpas und für deren Familien eingerichtet werde.

Der bayerische Extrembergsteiger Karl Flock sagte: “Das ist
etwas absolut Notwendiges, das ist ein Muss. Nepal ist immer noch eines der ärmsten Länder der Welt. Wenn eine Familie sowas trifft, dass der Vater zu Tode kommt, muss man helfen.” Ohne die Sherpas würden die wenigsten der westlichen Touristen diese Achttausender besteigen können.

Mehrere Bergsteiger, die gerade im Basislager am Everest sind, haben bereits Initiativen für eine Hilfe gestartet oder zu Spenden aufgerufen. Unter ihnen ist der US-Amerikaner Ed Marzec (67), der seinen persönlichen Bergführer Asa Bahadur Gurung in der Lawine verlor. Er spendete 10.000 US-Dollar (etwa 7240 Euro) und richtete den Sherpa Avalanche Fund für die Familien der 16 Toten ein. “Die 400
Dollar, die die Regierung als Entschädigung zahlt, sind eine
Beleidigung”, sagte Marzec der Nachrichtenagentur dpa.