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Alstom: Poker mit Regierungseinsatz

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Alstom: Poker mit Regierungseinsatz

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Der Übernahmepoker um Alstom zwischen Siemens und dem US-Rivalen General Electric (GE) geht offenbar in die heiße Phase. Siemens soll bereit sein, Geschäfte im Schienenverkehr, wie den Bau von ICE-Zügen und Lokomotiven, an Alstom abzugeben, wenn der Konzern im Gegenzug das Energietechnik-Geschäft der Franzosen übernehmen kann. Zuvor sollen aber – womöglich wochenlang – die Alstom-Zahlen geprüft werden.

Frankreichs Regierung geht es vor allem um die Arbeitsplätze der Beteiligten – in Frankreich. Das sind zusammen 36.000 – die Hälfte davon bei Alstom, 18.000. Insgesamt knapp 5 Prozent der Beschäftigten der drei Konzerne. Hinter ihnen steht eine Manpower von 758.000 Menschen.

CGT-Gewerkschafter Christian Garnier, Alstom:

“Ob nun das amerikanische Raubtier das Rennen macht oder das deutsche – wenn eine dieser Optionen durchkommt, bedeutet das, die Gruppe verschwindet. Sie würde explodieren, die Zukunft der Mitarbeiter stünde in den Sternen, genau wie die der Produktion.”

Frankreichs Präsident François Hollande hatte mit den Topmanagern der drei Unternehmen verhandelt, und einen Termin mit Alstom-Großaktionär Martin Bouygues angepeilt. Der französische Staat kann sich in die Verhandlungen einmischen, er hat bei Übernahmen in strategisch wichtigen Industriebereichen eine Art Veto-Recht.

Frankreichs Unternehmen seien “keine Beutestücke”, sagte Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg:

“Die Regierung wird die notwendigen Schritte unternehmen, um die Interessen unseres Landes zu verteidigen, danke.”

Rund 2.000 der 9.000 deutschen Alstom-Mitarbeiter haben für eine ähnliche Beschäftigungsgarantie demonstriert.

Alstom entwickelte sich gut 130 Jahren zum führenden Schienenfahrzeug- und Kraftwerkshersteller in Frankreich, Spezialgebiet Kernkraftwerke. 2004 war der französische Staat mit knapp 2,3 Milliarden Euro bei dem hochverschuldeten Unternehmen ein- und 2006 wieder ausgestiegen.

su mit dpa