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Fahrzeuge der Zukunft

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Professor Jean-Philippe Thiran von der Eidgenössischen Technische Hochschule in Lausanne hat nicht den Verstand verloren. Er testet einen Emotionsdetektor, der eines Tages helfen könnte, schläfrige Autofahrer aufzuwecken. “Wir haben hier diese Kamera, diese Lichterserie und einen Computer, der das Video in Echtzeit analysiert”, erklärt Thiran. “Das erste Problem sind die Lichtbedingungen. Um damit fertig zu werden, benutzen wir eine Infrarotkamera und Infrarotlicht. So haben wir das Problem mit dem Licht gelöst und können Tag und Nacht ohne Problem arbeiten.”

Der Detektor ist im Armaturenbrett hinter dem Lenkrad untergebracht. Das war ein Projekt des Lausanner Instituts in Zusammenarbeit mit PSG Peugot Citroen. Forscher haben einen Algorithmus entwickelt, der Emotionen in Fotos identifizieren kann und ihn dann in einem Auto mit Freiwilligen getestet. Die Tests zeigten eine Zuverlässigkeit von 85 Prozent. Sie erkannten Veränderungen beim Fahrer, indem sie bestimmte Punkte auf seinem Gesicht maßen.

Ähnlich erfolgreich war es, Müdigkeit anhand der Bewegung der Augenlider festzustellen. Die Autobauer entwickeln nun ein System, das künftig in die Fahrzeuge eingebaut werden könnte. Thiran: “Wenn das Auto feststellt, dass der Fahrer müde ist und einzuschlafen droht, könnte es laute Musik anmachen oder das Licht des Armaturenbretts aggressiver machen. Sollte der Fahrer gestresst sein, könnte es ruhige Musik spielen.”

Olivier Pajot ist Chef der Kooperationsgruppe zwischen dem Schweizer Institut und Peugot Citroen. Er sagt, ein Emotionsdetektor könnte zur Brücke zwischen manuell gesteuerten und autonomen Fahrzeugen werden. “Einer der Zwischenschritte ist ein teilweise autonomes Fahrzeug. Das heisst, das Auto kann selbständig fahren, braucht aber die Aufsicht des Fahrers”, meint er.

Um ein teilautonomes Fahrzeug herstellen zu können, müssen die Forscher den Fahrer beobachten können. Das, so Pajot, sei der Grund für dieses Projekt. Sie hoffen, ein System für alle Fahrzeuge zu entwickeln, das Gefahren im Straßenverkehr mindert.

Fliegen mit Strom

Ein Flugzeug, das kaum lauter als ein Staubsauger ist, hat kürzlich von einem Flugplatz in der Nähe der südwestfranzösischen Stadt Bordeaux abgehoben. Es ist das erste Flugzeug, das ausschließlich mit Elektrizität, mit Strom, angetrieben wird. Es heisst “E-Fan” und wurde vom in Toulouse ansässigen Flugzeugbauer Airbus konzipiert. Es ist etwas länger als sechs Meter und soll ein Schritt in Richtung umweltverträglichere, ruhigere und billigere Luftreisen sein.

“Es gibt 120 Batterieelemente, 60 auf jeder Seite. Jeder Motor wird von 60 Elementen angetrieben. Sie sind in den Flügeln versteckt”, erklärt Pilot Didier Esteyne. Der erste offizielle Flug der Maschine dauerte kaum zehn Minuten, fliegen kann sie aber gut eine Stunde, bevor die Batterien leer sind. Das Flugzeug hat eine Höchstgeschwindigkeit von 220 Stundenkilotern und bietet Platz für den Piloten und einen Passagier. Bislang dürfte die “E-Fan” herkömmliche Maschinen kaum verdrängen, die Ingenieure hoffen aber, die Technik weiter entwickeln zu können – bis auch größere Flugzeuge entweder komplett mit Elektrizität oder zumindest mit einem Hybridsystem fliegen.

Airbus-Technik-Direktor Jean Botti weiss: “Für Regionalflugzeuge mit 80, 90 Plätzen und zweieinhalb oder drei Stunden Autonomie – in diesem Bereich können wir demnächst Hybridflugzeuge anstreben.” Flugzeuge könnten zukünftig billiger werden, die Gewinne für die Umwelt wären enorm. Derzeit sind Flugzeuge für einen großen Teil des weltweiten CO2-Ausstosses verantwortlich.