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Alstom-Übernahmepoker: Nichts entschieden, Nase vorn für General Electric

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Alstom-Übernahmepoker: Nichts entschieden, Nase vorn für General Electric

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Im Übernahmepoker um den französischen Industriekonzern Alstom ist eine Vorentscheidung gegen den deutschen Konkurrenten Siemens gefallen. Der Verwaltungsrat von Alstom empfahl den Aktionären ein bindendes Angebot des Konkurrenten General Electric (GE). Das US-Unternehmen will für die Energietechnik-Sparte von Alstom 12,35 Milliarden Euro zahlen, ohne Bahntechnik.

Vielen Alstom-Mitarbeitern ist das alles nicht ganz geheuer:

“In der amerikanischen Unternehmenskultur herrscht Wettbewerb zwischen den Mitarbeitern, es wird viel von ihnen verlangt, die machen ganz schön Druck auf die Mitarbeiter.”

“Wenn ich die Wahl hätte, wäre mir lieber, Alstom bleibt französisch, mit Entscheidungszentren in Frankreich….”

Auch die Regierung in Paris fürchtet eine Verlagerung von Arbeitsplätzen und Entscheidungszentren, sollte GE den Zugriff auf Alstom bekommen.

Siemens hat bislang nur ein Angebot angekündigt und will zuvor ausgiebig die Zahlen prüfen. Nach Informationen aus Verhandlungskreisen in Paris hat Siemens Alstom am Dienstag angeboten, seine komplette Transportsparte inklusive des ICE- und Metro-Baus an Alstom abzugeben, wenn es im Gegenzug die Energietechniksparte kaufen könnte, Schätzwert 10,5 bis 11 Milliarden Euro. Dazu Alstom: Wenn Siemens auch ein konkretes Angebot vorlegen wolle, werde es in fairer Weise einen Zugang zu den notwendigen Informationen bekommen.

Alastair McCaig, Analyst bei IG, sieht Probleme bei der Siemens-Variante:

“Ich meine, letztlich hat GE das im Kasten. Mit Siemens ergäbe sich eine sehr komplexe Lage: Zusammen hätten Alstom und Siemens mehr als 30 Prozent der EU-Energietechnik und das hätte vermutlich kartellrechtliche Konsequenzen.”

Paris wünscht trotzdem wohl eher einen Geschäftsfeldertausch zwischen Siemens und Alstom mit dem Ergebnis zweier europäischer Weltmarktführer: Für Bahntechnik und Energie. Noch sei nichts entschieden, so Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg.

Das Angebot von GE soll nun noch bis Ende Mai von unabhängigen Mitgliedern des Alstom-Verwaltungsrates geprüft werden.

Die Alstom-Energiesparte erwirtschaftete zuletzt rund 70 Prozent des Konzernumsatzes. Von weltweit rund 65.000 Mitarbeitern sind 9.000 in Frankreich beschäftigt.

Die Alstom-Aktie legte wegen des Bieterkampfs fast zehn Prozent zu.

su mit dpa