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Siemens und GE: Übernahmepoker um Alstom

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Siemens und GE: Übernahmepoker um Alstom

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Für einen Kauf des französischen Alstom-Konzerns hat vorerst offenbar General Electric die besseren Karten.

Französische Medien berichten, der Alstom-Aufsichtsrat bevorzuge die Amerikaner. Vor Handelsbeginn an der Pariser Börse muss sich das Unternehmen selbst dazu erklären.

General Electric will die Kraftwerkssparte kaufen, die den Großteil von Alstom ausmacht.

Laut der Zeitung “Le Figaro” will Alstom das GE-Angebot jetzt von unabhängiger Seite prüfen lassen.

Damit sei GE für einen Monat an sein Angebot gebunden; Alstom dürfe in dieser Zeit zwar andere Angebote prüfen, aber keine weiteren Schritte unternehmen.

Allerdings will auch Siemens weiterhin ein Gebot für Alstom abgeben. Der deutsche Konzern ist ebenfalls interessiert an der Kraftwerkstechnik.

Er würde aber Alstom – dem Produzenten der TGV-Schnellzüge – im Gegenzug wohl seine Transportsparte überlassen, die ICE-Züge ebenso herstellt wie Straßenbahnen.

Siemens verlangt nun seinerseits eine Frist von vier Wochen, in der das Unternehmen die Bücher von Alstom prüfen könnte.

Sowohl französische als auch deutsche Gewerkschaften fordern nun, dass in möglichen Verhandlungen alle Standorte und alle Arbeitsplätze in ihren Ländern gesichert werden.

In den möglichen Verkauf von Alstom hat sich inzwischen massiv die französische Regierung eingemischt.

Sie will sicherstellen, dass ein Unternehmen von nationaler Bedeutung in gute Hände kommt – dass also Arbeitsplätze gesichert werden oder neu entstehen.

Eine staatliche Beteiligung scheint diesmal aber ausgeschlossen – im Gegensatz zu
2004, als Alstom so der Pleite entkam.

Die französische Finanzmarktaufsicht soll auf Regierungswunsch sichern, dass beide Angebote gleichberechtigt behandelt werden und der mögliche Verkauf transparent abläuft.

Frankreichs Wirtschaftsminister kritisiert inzwischen scharf den Vorstandsvorsitzenden von Alstom. Arnaud Montebourg wirft Patrick Kron – der einen Verkauf an Siemens strikt ablehnt – vor, er habe insgeheim in einer Blitzaktion den Verkauf an GE perfekt machen wollen.

Außerdem sagte Montebourg, seit Februar habe Kron ihm auf Nachfragen immer versichert, es gebe keine Verkaufsabsichten. Seine rhetorische Frage deswegen: Brauche
der Wirtschaftsminister in seinem Büro jetzt einen Lügendetektor?