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Vom Terroristen zum Friedensengel

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Vom Terroristen zum Friedensengel

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Gerry Adams, der Präsident von Sinn Fein, ist das bekannteste Gesicht aus der langen schweren Zeit des Nord-Irland-Friedensprozesses. Er macht inzwischen Wahlkampf wie jeder normale Politiker, der wiedergewählt werden will. Das war nicht immer so. Mit 18 war er der Belfast-Brigade der IRA beigetreten, in der schon sein Vater gekämpft hatte.
In den blutigen 1970er wurde er verhaftet, interniert – und sass dann im Juli 1972 bei den Geheimgesprächen mit dem Nordirlandminister der britischen Regierung mit am Tisch. Die waren nach dem sogenannten “Bloody Sunday” von Londonderry am 30. Januar 1972 zustandegekommen. Es war der Versuch der britischen Regierung, einen Konflikt, der sich immer mehr zum Bürgerkerieg entwickelte, in den Griff zu bekommen.

Wie oft und wo Gerry Adams eingesperrt war, dazu liefern unterschiedliche Quellen unterschiedliche Angaben. Er selbst sagte 2004, als die Folterfotos aus Abu Ghraib die Welt empörten, dies sei für ihn kein neuer Anblick. Er sei wie seine Genossen in den 1970er Jahren auch systematisch gefoltert worden.

In den 1980er Jahren – Adams war wieder auf freiem Fuß – änderte die Sinn Fein ihre Politik hin zu
“Waffen und Urnen”. Der charismatische Redner stellte sich zur Wahl und wurde gewählt. Ins Unterhaus von Westminster zog er aber nicht ein, weil er den dazu nötige Treueschwur auf die britische Krone nicht leisten wollte. Dafür stand er 1997 bereit, als mit Labour-Premier Tony Blair auch eine neue Nordirland-Politik begann. Zuerst in Geheimgesprächen. Gerry Adamas war der erste Sinn-Fein-Führer seit der Teilung Irlands im Jahre 1921, der so ein Wagnis einging. Alle Welt war überrascht, als am Abend des 23. September 1997 die Presse zu Downings Street Number ten gebeten wurde – und Hausherr Tony Blair mit den beiden Sein-Fein-Führern Martin Mc Guiness und Gerry Adams vor die Mikrofone trat.

Das Ergebnis dieser Verhandlungen ist als “Karfreitags-Abkommen” von 1998 in die Geschichte eingegangen. Gerry Adams bezeichnete den politischen, sozialen, wirtschaftlichen und konstitutionellen Wandel als Kern des Abkommens. Es gehe um die Schaffung einer gleichberechtigten Gesellschaft. Noch schwieriger als das Abkommen auszuhandeln war es, dessen Texte auch umzusetzen. Adams leistete wichtige Überzeugungsarbeit in den eigenen Reihen, damit die IRA sich nach vielen Widerständen entwaffnen ließ.

Sein vorerst letzter Schritt als Politiker führte ihn ins Parlament der Republik Irland, wofür er seine Sitze in Westminster und im nordirischen Stormont aufgab.