Eilmeldung

Eilmeldung

Griechische Unternehmen fliehen nach Bulgarien

Sie lesen gerade:

Griechische Unternehmen fliehen nach Bulgarien

Schriftgrösse Aa Aa

Namen griechischer Mittelständler. Doch die Unternehmen sitzen nicht in Griechenland, sondern in Bulgarien. Hier nämlich sind die Steuern niedriger, ebenso die Grundstückspreise und die Löhne. Viele kleine und mittlere Unternehmen aus Griechenland nutzen die Chance und ziehen über die Grenze in Städte wie Sandanski, Petrich oder Melnik.

Eine zunehmende Zahl griechischer Unternehmer zieht in grenznahe bulgarische Orte. Die erste Welle kam bereits in den Neunzigerjahren, damals herrschte eine regelrechte Euphorie über die griechische Expansion auf den Balkan. Nun ist die Euphorie verflogen, die schlechte Lage im Land zwingt viele Unternehmen, jenseits der Grenzen ihr Glück zu suchen.

Dieses Hotel in Melnik wurde von Christos Mavridopoulos gebaut.Griechen wie er investieren laut dem Hellenic Business Council in Bulgaria gut 3 Milliarden Euro in Bulgarien.

Er erzählt: “Wer Griechenland verlassen kann, tut das. Jeden Tag kommen hier neue Unternehmen an. Meist sind sie verzweifelt. Sie wissen nicht genau, warum sie herkommt, was ihr nächster Schritt ist. Sie wollen einfach nur weg von allem, was derzeit in Griechenland passiert.”

In Petrich hat Kostas Zervas ein 1000-Quadratmeter-Gebäude gemietet. Kostenpunkt: 300 Euro im Monat. In Griechenland wäre es um ein vielfaches mehr. Die Körperschaftssteuer liegt bei 10 Prozent, die Quellensteuer bei 5 Prozent – in Griechenland sind es in beiden Fällen rund 25 Prozent.

Ein anderer Grenzgänger ist David Podosian. Er berichtet: “Ich bin aus meiner Stadt in Griechenland weg, weil ich keine Arbeit hatte. Ich musste mir einen anderen Ort suchen, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Hier ist mein Leben deutlich besser als davor in Griechenland.”

Die griechische Stadt Serres ist nur 40 Kilometer von der Grenze zu Bulgarien entfernt. Von den Unternehmen hier wandern immer mehr ab. Im Rathaus versucht man, diesen Trend zu stoppen.

Dimitris Giannakis der städtischen Wirtschaftskammer: “In den vergangenen fünf Jahren sind 5000 Unternehmen von hier verschwunden. DIe meisten sind nach Bulgarien gezogen.”

In Serres will man eine eigene kommunale Wirtschaftszone mit niedrigeren Steuern. Doch das europäische Recht erlaubt so eine Lösung nicht. Griechenland hofft auf Wachstum, doch ohne Unternehmen wird das nicht zu erreichen sein.