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Westmakedonien: Der Abstieg einer wohlhabenden Region


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Westmakedonien: Der Abstieg einer wohlhabenden Region

Wir sind im Norden Griechenlands, weit weg von den sonnenverwöhnten Mittelmeerstränden, in der Region Westmakedonien. Der Braunkohleabbau hat den Menschen hier über lange Jahre Arbeit und Lohn gegeben.

Westmakedonien war einst eine der wohlhabendsten Regionen Griechenlands. Der staatliche Energieversorger Dimosia Epichirisi Ilektrismou baute hier seine Fabriken auf und schaffte so tausende gutbezahlter Jobs. Damit war dann vor zehn Jahren Schluss.

In Kozani, der Hauptstadt der Region, treffen wir Tasos Sidiropoulos. Er leitet die Entwicklungsagentur für Westmakedonien.

“Die absolute Dominanz des Energiesektors hat hier das Entstehen anderer Industriezweige und Unternehmen, die von Bedeutung hätten sein können, praktisch verhindert.”

Der wirtschaftliche Abstieg Westmakedoniens hat die Jugendarbeitslosigkeit enorm ansteigen lassen – auf den europaweit zweithöchsten Wert nach dem spanischen Ceuta. Im April lag die Quote laut Eurostat bei mehr als 70 Prozent.

Sefanos Stergiou ist einer der Arbeitslosen. Der 24-jährige Ingenieur verbringt Stunden vor dem Computer, auf der Suche nach einem Arbeitsplatz.

Er berichtet: “Ich suche jetzt schon seit zweieinhalb Jahren einen Job. Jeden Tag bin ich auf Jobbörsen im Internet, ich verschicke meinen Lebenslauf, in Griechenland und ins Ausland. Aber bisher habe ich nur kurzfristige Jobs gefunden, meistens in Bars und ohne Versicherung.”

An der Universität Westmakedoniens sind rund 15.000 Studenten eingeschrieben, unter ihnen ist Rafaela Tsiavara.

“Ich und viele meiner Kommilitonen haben sich für Jobs als Teilzeitlehrer an öffentlichen Schulen beworben, aber ohne Erfolg. Dann haben wir uns an allen Privatschulen in Griechenland beworben. Aber es gibt so viele von uns, dass die privaten Schulen nicht jeden von uns als Lehrer aufnehmen können. Wegen der Arbeitslosigkeit haben viele von uns Aufbaustudien begonnen. Andere arbeiten in Bereichen, die nichts mit ihrem Studium zu tun haben.”

Rafaela und andere junge Absolventen nehmen nun an Austauschprogrammen teil, machen Praktika und Weiterbildungen – so, hoffen sie, werden sie schließlich doch ihren Arbeitsplatz finden.

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

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