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Brasilien vor der WM: Es läuft nicht rund

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Brasilien vor der WM: Es läuft nicht rund

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Dies ist das Bild, das Brasilien kurz vor der anstehenden Fußball-WM im Juni gerne abgeben möchte. Begeisterte Menschen, neue Stadien, die termingerecht fertigwerden.

Und dies ist das Bild, das die Welt derzeit vor allem von Brasilien sieht. Proteste und immer wieder Ausschreitungen.

Die Spannung in der Bevölkerung ist enorm hoch. Die Menschen sind sauer über die hohen Lebenshaltungskosten, über das teuere Sportereignis und über die Polizei, die versucht, der Lage Herr zu werden .

In wenigen Wochen werden Millionen Touristen in das Land kommen. Die Regierung zeigt Härte gegen die Demonstranten, doch der Erfolg hält sich in Grenzen, vielmehr heizt das Vorgehen der Polizei die Stimmung noch weiter auf. 52 Prozent der Brasilianer freuen sich auf die WM. Im November waren es noch 79 Prozent. Die Worte von UEFA-Präsident Michel Platini, fast zynisch:

“Man muss den Brasilianern klarmachen, dass sie die WM ausrichten. Sie sind da, um die Schönheit ihres Landes zu zeigen, ihre Leidenschaft für den Fußball. Und wenn sie noch etwas abwarten können mit ihren gesellschaftspolitischen Protesten, dann wäre das gut für ganz Brasilien und die Fußballwelt.”

Die Probleme Brasiliens sind aber nicht neu. Die Brasilianer sehen seit langem die Preise steigen, während die Lebensstandards sinken. Die Kosten der WM von umgerechnet gut 11 Milliarden Euro haben das Fass zum Überlaufen gebracht.

In Brasilien liegt das Durchschnittsgehalt bei rund 639 Euro. Zur Befriedigung der Grundbedürfnisse bräuchte ein Brasilianer aber rund 1000 Euro. Die Preise steigen. Die Inflation kletterte zwischen 2007 und 2013 auf mehr als 6 Prozent. Ein iPhone5 kostet fast 900 Euro, wesentlich mehr als in den USA oder China. Autos und Haushaltsgeräte sind im Schnitt 50 Prozent teurer als in den meisten anderen Industrienationen. Und Grundnahrungsmittel wie Reiz, Gemüse oder Hähnchenfleisch, aber auch die Preise fürs Dach überm Kopf sind gestiegen, um 118 Prozent gingen die Mieten nach oben.

Dabei ist Brasilien immerhin die siebtstärkste Wirtschaftsmacht des Planeten, und dennoch leben hier sechs Prozent der Bevölkerung in Armensiedlungen, den sogenannten Favelas. In manchen Großstädten lebt die Hälfte der Einwohner in Favelas. Hier, aber auch andernorts, mangelt es an alltäglicher Infrastruktur. Die Kosten für die WM und die ebenfalls hier stattfindende Olympiade werden von vielen Beobachtern als viel zu hoch für ein Land angesehen, das kaum in der Lage ist, öffentliche Dienstleistungen und die Versorgung der Bevölkerung, besonders in Bereichen Gesundheit, Bildung und Transport zu gewährleisten.