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Europa-Wahl: UKIP will keine Allianz mit anderen Euroskeptikern

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Europa-Wahl: UKIP will keine Allianz mit anderen Euroskeptikern

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UKIP, die euroskeptische Partei, die für einen Austritt Großbritanniens aus der EU kämpft, ist in der politischen Mitte des Landes angekommen. Die Partei könnte laut Umfragen bei der Europawahl in Großbritannien stärkste Kraft werden.

Euronews-Korrespondent James Franey traf Parteichef Nigel Farage während des Wahlkampfs in England. Er befragte Farage zu seiner harten Haltung beim Thema Einwanderung und warum er eine weitere Pension vom EU-Parlament beziehen will, wo er doch dort Ausgaben kürzen will.

euronews:

Nigel Farage, vielen Dank für ihr Kommen. Zunächst: Was für eine Partei ist UKIP, an wen wendet sie sich?

Farage:

Wir sind eine Partei der nationalen Demokratie. Wir glauben, Großbritannien sollte ein unabhängiger, demokratischer Staat sein.

Das Land sollte nicht Teil einer politischen Union mit einem Hauptquartier in Brüssel sein, die viele unserer Gesetze macht, uns ein Vermögen kostet und uns daran hindert, Handelsabkommen mit den Wachstumsmärkten abzuschließen.

Aber wir sind nicht anti-europäisch. Wir mögen Europa. Wir wollen, dass es aus einzelnen Staaten besteht, die miteinander Handel treiben und kooperieren.

Dieses supranationale Projekt, die Vereinigten Staaten von Europa, dem die Wähler nicht zugestimmt haben, das wird nicht funktionieren.

euronews:

Sie bezeichnen sich selbst als extrem freiheitliche Partei, sind für freien Handel. Wie passt dazu ihre Einwanderungs-Kampagne?

Farage:

“Milton Friedman, der Hohepriester des Freihandels und der freien Märkte, hat gesagt, man kann keinen freien Verkehr der Arbeitskräfte zwischen reichen und armen Ländern haben. Besonders dann nicht, wenn es ein Sozialsystem gibt.

Und genau das ist der Punkt: Wir sind sehr für einen freien Waren- Geld- und Dienstleistungsverkehr. Wir wollen das nicht nur auf die EU beschränken. Wir hätten gern, dass Großbritannien da weltweit mehr macht. Die englisch-sprachigen Länder, die Commonwealth-Staaten, wären ein sehr guter Anfang.

Aber wir brauchen einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Arbeitsmarkt. Der Arbeitsmarkt für Un- und Angelernte wurde bislang mit ausländischen Arbeitskräften überspült.

euronews

Ich, als Chef eines großen Unternehmens, würde meine Lohnkosten niedrig halten wollen. Glauben sie, dass all diese Firmen bereit sind, mehr zu zahlen, nur damit sie einen britischen Arbeiter auf ihrer Gehaltsliste haben?

Farage

Es steht sicherlich außer Frage, dass das große Geld, die multi-nationalen Unternehmen, davon profitiert haben.

Die Kehrseite ist, dass wir die Einwanderer Kinder unterrichten müssen, wir müssen Unfall und Notfall-Einrichtungen in unseren Kliniken für sie bereithalten und am Ende sind viele von uns arbeitslos und beziehen Geld von Staat.

Während also die großen Unternehmen von der Einwanderung profititieren, haben wir nichts davon.

euronews

Aber wären sie ein echter Marktradikaler, dann würden sie sagen, der Markt regelt, wer ins Land kommt.

Farage

Es gibt Sachen, die sind wichtiger als Geld. Gemeinschaft, der Zusammenhalt in der Gemeinschaft, das ist wichtiger. Es sollte die Aufgabe der britischen Regierung sein, die Interessen der Briten an erste Stelle zu setzen. Millionen britischer Familien sind davon betroffen, dass wir die Türen für 485 Millionen Menschen in Europa geöffnet haben.

3,23 euronews

Wie viele sind zu viel? 209.000 Einwanderer kamen bis September nach Großbritannien, innerhalb von 12 Monaten. Wie viel weniger sollen es sein?

Farage

Deutlich weniger.

euronews

Wie viel?

Farage

Deutlich weniger.

euronews

Die Hälfte?

Farage

Nein, nein. Der niedrige Zehntausender -Bereich.

euronews

Dreißig bis Fünfzigtausend?

Farage

Das, was wir von den 1950er Jahren an hatten, bis Blair an die Macht kam. 30.000 bis 50.000 Einwanderer kamen jährlich nach Großbritannien. Das war fünfzig Jahre lang so und wir kamen gut damit klar.

Die Zahl ist nun auf 200 bis 250.000 pro Jahr angewachsen. Ich will die Einwanderung nicht stoppen aber ich will, dass wir Kontrolle haben über Quantität und Qualität.

euronews

Nennen Sie eine Zahl. Die magische UKIP-Zahl.

Farage

Das müssen wir noch herausfinden.

euronews

Aber wir haben Wahlen.

Farage

Zur Wahl stehen wir und drei Parteien, die bestreiten, dass es nun Zugang zu einer halben Milliarde Menschen gibt. Diesen Kampf müssen wir zuerst gewinnen. Im Moment gibt es keine Obergrenze.

euronews:

Sie haben keine Zahl?

Farage:

Es gibt momentan keine Obergrenze. Wir haben keine Kontrolle über die Anzahl der Menschen die kommt.

Meine Sorge ist, dass es im Süden und Südosten der Eurozone noch schlimmer kommt und wir eine zweite Einwanderungswelle erleben.

Wir müssen also zunächst die Kontrolle zurückgewinnen und dann ein Einwanderungssystem einführen, wie in Australien.

Damit kann man nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität kontrollieren.

euronews:

Ich sprach heute Morgen mit einem Vertreter der Weltbank. Die sagen, Australien müsse sich öffnen, es gebe einen Mangel an ungelernten Arbeitskräften.

Wie kann ein Beamter des Einwanderungsministeriums die Regeln des freien Marktes diktieren?

Farage:

Warum hören Sie auf die Weltbank, oder eine andere derartige globale Organisation? Die machen alles falsch.

euronews

Die sagen das Australien seit acht Jahren. Es gibt britische Studenten, die pflücken in Australien Obst, weil die Einheimischen das nicht tun wollen.

Farage

Wir haben in diesem Land Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert werden, in ihrem eigenen Land. Das ist nicht akzeptabel.

Das hat zu größeren Unterschieden in der Gesellschaft geführt, als ich sie jemals vorher gesehen habe. Das ist falsch.

euronews

Einige der Plakate, die sie aufgehängt haben, ähneln denen anderer Parteien in Europa, die ebenfalls gegen die bestehenden Verhältnisse sind.

Denken wir an Geert Wilders in den Niederlanden, der eine Fraktion im Europäischen Parlament bilden will. Oder denken wir an Marine Le Pen.

Wie unterscheidet sich dass, was die Beiden über Menschen aus Nordafrika oder der Türkei sagen, von dem, was sie über Rumänen oder Blgaren sagen?

euronews:

Den ehesten Vergleich, den die Menschen in Großbritannien gezogen haben, ist der, mit den Plakaten der konservativen Partei für die Parlamentswahl 2005.

Unsere Plakate sollen die Menschen zum Nachdenken bringen, eine Diskussion anregen. Und das passiert auch.

euronews:

Würden Sie mit Le Pen und Wilders eine Allianz eingehen?

Farage:

Nein

euronews:

Warum nicht?

Farage:

Weil wir den Eindruck haben, dass deren Politik immer noch antisemitische Tendenzen hat, egal ob das deren Parteiführung widerspiegelt oder nicht. Das gilt besonders für den Front National. Und das interessiert uns nicht.

euronews:

Aber man hört Anklänge an das, was Wilders und Le Pen ihren Wählern sagen. Sie wollen die Arbeiter vor der Globalisierung schützen, vor deren angeblichen negativen Folgen.

Man muss nur die Worte “Rumänen” oder “Bulgaren” durch “Marokkaner”, “Algerier” oder “Türken” ersetzen. Es ist sehr ähnlich, das müssen sie zugeben.

Farage:

Wir wollen die Globalisierung eindämmen. Wir sind keine Anti-Globalisierungs-Partei. Le Pen ist gegen die Globalisierung, das sind wir nicht.

Wir wollen sie eindämmen, wir können das aber nicht als Teil der Europäischen Union. Die hindert uns daran, Handelsabkommen mit anderen Partnern auf der Welt abzuschließen. Das ist verrückt.

euronews:

Letzte Frage: Sie wollen die EU-Ausgaben kürzen. Warum haben sie dann eine zweite, freiwillige Rente des EU-Parlaments beantragt. Warum haben sie das unterschrieben, wenn sie doch Ausgaben kürzen wollen?

Farage

Damit meine Familie, wenn ich sterbe, etwas bekommt.

euronews:

Aber die Leute, die sie wählen, haben keine zweite Rente.

Farage:

Wir wollen die Ausgaben nicht kürzen, da liegen sie falsch. Wir wollen sie abschaffen.

euronews:

Warum dann die zweite Rente?

Farage:

Ich möchte die britischen Ausgaben von 55 Millionen pro Tag auf null senken.

euronews:

Sie könnten dabei helfen.

Farage:

Um ehrlich zu sein …

euronews

Warum haben sie unterschrieben?

Farage:

Um ehrlich zu sein, das ist eine wirklich kleine, bedeutungslose Nichtigkeit, verglichen mit dem, was dieses Land überweist …

euronews:

Aber sie hacken seit Jahren auf den Eurokraten in Brüssel herum.

Farage:

Sie können auch argumentieren, dass ich für umsonst arbeiten sollte aber das kann ich mir nicht leisten.

euronews:

Es gab viele Parlamentarier, die das abgelehnt haben, weil sie fanden, das sei unmoralisch. Also, warum haben sie unterschrieben.

Farage:

Haben die das? Ich hab nicht viele davon getroffen.

euronews:

Also, warum haben sie unterschrieben, wenn sie mit der Freigiebigkeit nicht einverstanden sind?

Farage:

Dadurch, dass ich in die Politik gegangen bin, hatte ich finanzielle Verluste. Wenn ich tot bin, soll meine Familie eine Unterstützung bekommen.

euronews:

Also soll sich Farage Junior eine schöne Wohnung in London kaufen? Ist das der Sinn der EU-Rente?

Farage:

Dafür wird sie nicht ausgegeben.

Euronews: Nigel Farage, vielen Dank!