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Trans X Istanbul

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Maria Binders deutsch-türkische Produktion “Trans X Istanbul” schildert intim und bewegend die prekäre Situation der Istanbuler Transexuellen. In der Türkei ist es für sie fast unmöglich, einen Job zu finden. Die einzige Möglichkeit, Geld zu verdienen, ist meist die Prostitution. Verstoßen von Familie und Staat, sind sie dazu gezwungen am Rande der Gesellschaft zu leben. Die Polizei ermittelt nur selten wenn Transexuelle angegriffen oder getötet werden. Allein in den vergangenen zwei Jahren wurden 49 Transexuelle ermordet.

Der deutschen Regisseurin Maria Binder wurde bei dem Filmfestival von Istanbul eine spezielle Auszeichnung für Menschenrechte überreicht. Binder erklärt: “Was wir im Endeffekt darstellen ist eigentlich eine Art Studie, eine Analyse, eine filmische, wie aus Hass “Hate Speech” also Hass-Wort ein Hass-Verbrechen wird – das geht hin bis zum Mord und innerhalb von neun Monaten verfolgen wir einen Prozess, bei dem am Schluss dann auch tatsächlich eine Trans-Frau umgebracht wird. Was für uns selber ganz schrecklich war, weil wir eigentlich das theoretisch alles kennen aber, dass es dann wirklich passiert, das hätten wir irgendwie so nicht gedacht.”

Euronews-Journalist Wolfgang Spindler fragte Binder: “Ist es schwierig so einen Film zu drehen, wo sind die Schwierigkeiten wenn man so einen Film dreht? Es ist doch ein heißes Eisen, was man da anfasst.” Sie erwiderte: “Also ich wollte keinen Film erzählen über Menschen, die Opfer sind, sondern ich wollte in dem Film erzählen über Menschen, die ihr Leben selber in die Hand nehmen. Das Thema ist ja wahnsinning hart und schlimm, ich wollte das aber auf eine Art erzählen, die von Humor getragen wird. Das heißt der ganze Film ist eigentlich von einem subtilen Humor getragen und bei der Gala hier in Istanbul war es auch ganz erstaunlich, weil einfach ganz viel gelacht wurde, obwohl es ein sehr schwieriges Thema ist.”

Maria Binder hat mehrere Dokumentarfilme gedreht u.a. über Rassismus und Frauenrechte. Sie ist nicht nur Regisseurin, sondern auch Menschenrechtsaktivistin und will mit ihrem Film “Trans X Istanbul” einen Beitrag im Kampf für die Rechte von Transexuellen leisten. “Das ist ein Projekt, das mit allen türkischen LGBT Organisationen zusammenarbeitet und wir machen hier gleichzeitig ein Programm mit Workshops. Es geht darum, dass gerade Minderheiten wie die LGBT die Medien in die eigenen Hände nehmen und selber über ihr Leben erzählen und nicht, dass immer jemand von außen kommt und denkt da groß was machen zu müssen. Wir machen jetzt mit dem Film eine Tour durch die ganze Türkei und wir haben acht Städte, wo wir den Film zeigen werden und das ist eben auch eine Form von gleichzeitig Menschenrechtsarbeit, es ist nicht einfach nur ein Film, sondern es ist ein sehr umfassendes Projekt,” so Binder.

Es ist auch ein sehr persönliches Projekt. Ebru, die uns durch den Film führt, lebt mit Binders 84-Jähriger Mutter. Gemeinsam haben sie in Istanbul ein Altersheim für Transexuelle gegründet.