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Wahlbüros in Donezk geschlossen - und alle Fragen offen

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Wahlbüros in Donezk geschlossen - und alle Fragen offen

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euronews
Wir sind jetzt mit unserem Korrespondenten Sergio Cantone in Donezk verbunden.
Sergio, bitte beschreiben Sie und die Atmosphäre nach dem gestrigen Referendum.

Sergio Cantone. euronews
Es gibt einen gewissen Enthusiasmus im Lager der Abspaltungsbefürworter, oder nennen wir sie ´pro-russische Separatisten´. Sie sind überzeugt, einen großen Sieg errungen zu haben, mit dem nun eine neue Seite in der Entwicklung aufgeschlagen wird.
Die Lage in der Stadt ist überwiegend ruhig.
Wer gegen das Referendum ist, der sagt lieber nichts, verhält sich diskret.

Luisida de Ieso. euronews
Haben Sie mit Bürgern sprechen können, die die Regierung in Kiew unterstützen? Wenn ja – wer sind die? Haben sie Angst?

Sergio Cantone. euronews
Jene Bürger, die die Zentralregierung unterstützen, bzw. die eine ungeteilte Ukraine bewahren wollen, sind durchaus zahlreich – aber eingeschüchtert.
Da ist die Furcht vor einem Bürgerkrieg. Eine Furcht, die sie durchaus mit Leuten aus dem anderen politischen Lager teilen, mit denen, die für Abspaltung sind. Nach den blutigen Ereignissen der letzten Tage geht überall die Angst vor einem Bürgerkrieg um.

Luisida de Ieso. euronews
Hat die militärische Offensive von Kiew negative Auswirkungen auf die Moral der Menschen?

Sergio Cantone. euronews
Im gewissen Sinne schon. Wir haben mit Leuten in Mariupol gesprochen, wo es am Freitag Kämpfe gab. Einige Leute, die wirklich nicht pro-russisch sind, die eher eine ungeteilte Ukraine wollen, haben auch abzustimmen versucht, weil sie diesen Einsatz von Gewalt, diese Militär-Offensive nicht verstehen.

Luisida de Ieso. euronews
Und wie geht es nach Ihrer Meinung nach dem Referendum weiter?

Sergio Cantone. euronews
Das ist völlig offen. Jetzt stellt sich die Frage, wem nützt dieses Referendum? Kann man das Ergebnis sofort umsetzen, einen souveränen Staat bilden? Oder sich für unabhängig erklären? Oder was sonst? Das weiß man nicht. Im Moment ist kaum etwas Konkretes zu erfahren. Im Gegenteil. Die entscheidende Konsequenz dürfte darin bestehen, sich am Mittwoch mit den Vertretern der Regierung in Kiew an einen runden Tisch zu setzen. Rund-Tisch-Gespräche mit dem Ziel einer Dezentralisierung, einer Föderalisierung, sagt man hier. Aber dazu liegen die Positionen beider Seiten extrem weit auseinander.