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Grubenunglück von Soma: "Der Tod war nur einen Atemzug entfernt"

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Grubenunglück von Soma: "Der Tod war nur einen Atemzug entfernt"

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Das Grubenunglück von Soma in der Türkei beschäftigt die Welt, ser Katastrophe unter Tage folgt das Drama an der Oberfläche. euronews-Korrespondent Bora Bayraktar hat sich vor Ort ein Bild der Lage verschafft.

euronews: Bora Bayraktar, sie waren den ganzen Tag über am Unglücksort. Man sieht auf den Bildern, wieviel Schmerz das Unglück den Familien bereitet. Viele von ihnen wissen nicht, was mit ihren Angehörigen passiert ist. Was waren ihre Eindrücke?

Bora Bayraktar: Es ist das schwerste Grubenunglück in der Geschichte der Türkei, rein nach Opferzahl. Familien und Freunde waren sofort zum Minengelände geeilt, nachdem sich die Nachricht über den Unfall verbreitet hatte – hofften, dass es ihren Liebsten gut geht. Die Menschen weinen und schreien mit jedem toten Bergmann, der herausgebracht wird. Unglücklicherweise gibt es bis jetzt keine guten Nachrichten von der Zeche.

euronews: Wir wissen, dass viele Tote in Obst- und Gemüsekühlhallen gebracht wurden, weil in den Leichenhallen kein Platz mehr ist. Wie verläuft die Identifizierung, und die Organisation insgesamt?

Bora Bayraktar: Da unten war der Tod nur einen Atemzug entfernt. Viele starben, weil sie sehr konzentriertes Kohlenmonoxid eingeatmet haben. Ein Rettungsarbeiter sagte, dass die Bergleute nach der Explosion zu den Toren gerannt seien. Beim Rennen inhalierten sie das Gas, verloren das Bewusstsein und kollabierten vor den Toren. Auch deshalb dauert die Bergung so lange – weil es schwer ist, die Tore zu öffnen.

Die Opfer werden einer nach dem anderen auf Förderbändern nach draußen gebracht. Natürlich ist in den Krankenhäusern und Leichenhallen kein Platz mehr, deshalb müssen einige Tote leider in Kühlhallen gebracht werden. Äußerlich sind die Verletzungen oft nicht besonders groß, die Identifizierung wird dadurch erleichtert. Die Angehörigen sind dabei, das zu tun. Einige Wenige starben bei der Explosion, für sie werden DNA-Tests nötig sein.

euronews: Wie stehen die Chancen, den Rettungskräften zufolge, jetzt noch Überlebende zu finden?

Bora Bayraktar: Das ist sehr unwahrscheinlich, weil schon so viel Zeit vergangen ist. Jede Sekunde zählt. Die Rettungsteams sagten uns, dass dort unten sehr viel Gas auch in abgelegene Bereiche gedrungen ist. Sie hegen deswegen kaum Hoffnungen. Jetzt noch jemanden lebend zu finden, wäre ein Wunder.