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Konjunktur: Deutschland als "Hans im Glück"*

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Konjunktur: Deutschland als "Hans im Glück"*

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Für Deutschlands Nachbarn ist es wie verhext: Dank höherer Investitionen, kauffreudiger Verbraucher und des milden Winters bewahrt es als lockerer “Hans im Glück” die Euro-Zone vor dem konjunkturellen Stillstand.

Im ersten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt in Europas größter Volkswirtschaft um 0,8 Prozent, so Zahlen des europäischen Statistikamtes Eurostat. Das ist doppelt so viel wie Ende 2013 und das größte Plus seit drei Jahren – ausnahmsweise war nicht der Export die treibende Kraft. Die deutsche Bundesregierung rechnet für 2014 insgesamt mit 1,8 Prozent Wachstum. 2015 sollen es dann 2,0 Prozent sein.

Für die Euro-Zone reichte es im ersten Quartal dagegen wieder nur zu 0,2 Prozent – die beiden anderen Schwergewichte Frankreich und Italien schafften kein Wachstum, Spanien gerade mal 0,4 Prozent.

Das unterschiedliche Tempo macht eine einheitliche Geldpolitik nahezu unmöglich.

Eine neuerliche Zinssenkung und weitere Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur – wie sie die Europäische Zentralbank (EZB) kürzlich in Aussicht stellte – könnten für die Einen zu viel sein und Anderen nicht weiterhelfen. Die Zinsen seien viel zu niedrig für Deutschland, erklärte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Die französische Wirtschaft stagnierte, weil die Verbraucher angesichts der hohen Arbeitslosigkeit weniger konsumierten und die Unternehmen wegen schlechter Konjunkturaussichten weniger investierten. In Italien endete der gerade erst begonnene zarte Aufschwung jäh: Das Bruttoinlandsprodukt fiel unerwartet um 0,1 Prozent. Anderswo sieht es noch düsterer aus: In den Niederlanden brach die Wirtschaftsleistung um 1,4 Prozent ein, in Portugal und Zypern um je 0,7 Prozent.

EZB-Ratsmitglied Yves Mersch sprach von einer “fragilen Erholung” und deutete aktive Entscheidungen an. “Wir arbeiten an vielen Instrumenten”.

Nach Reuters-Informationen bereiten die Notenbanker ein Paket vor, das von einer Zinssenkung bis hin zu Strafzinsen für Banken reicht, die Geld lieber bei der EZB parken, statt es an Firmen und Haushalte zu verleihen.

su mit Reuters, dpa

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