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Türkei: Soma begräbt seine Väter, Ehemänner und Söhne

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Türkei: Soma begräbt seine Väter, Ehemänner und Söhne

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Soma ist heute in Trauer. Führende Politiker sind angereist, um den Familien beizustehen. Wir sprachen mit Bora Bayraktar, unserem Korrespondenten vor Ort.

Nezahat Sevim, euronews:
“Von den Bildern, die wir zu sehen bekommen, haben wir den Eindruck zunehmender Wut und Proteste nicht nur in Soma, sondern im ganzen Land. Was haben Sie mitbekommen und wie lässt sich diese Wut erklären?”

Bora Bayraktar, euronews:
“Die Familien sind sehr traurig und sehr wütend. Bei solchen Vorfällen suchen die Menschen natürlich immer nach einem Ventil für ihre Wut, nach einem Verantwortlichen. Die Politiker, die hier hergekommen sind, um sich ein Bild von der Lage zu machen, haben als Erste diese Wut zu spüren bekommen. Zudem gibt es Gruppierungen, die der Meinung sind, dass diese Trauer nicht missbraucht werden sollte, um politische Diskussionen oder Auseinandersetzungen zu beginnen. Doch die Wut und die Trauer hier sind unermesslich, es ist also nicht wirklich überraschend, dass es zu Protesten kommt.”

Nezahat Sevim, euronews:
“Mittlerweile wäre es ein Wunder, falls noch jemand lebend geborgen würde. Alles dreht sich also mehr um die Identifizierung und die Beerdigungen der Toten. Wie ist die Atmosphäre bei den Trauerfeiern, wie geht es den Familien?”

Bora Bayraktar, euronews:
“Die Szenen hier erinnern an den Krieg in Bosnien. Es wurden sehr viele Gräber ausgehoben, eine Grube neben der nächsten. Die Menschen haben ihre Väter, ihre Ehemänner, ihre Söhne begraben. Nicht nur Angehörige waren da, sondern auch Kollegen und Bergarbeiter. Alle waren sehr, sehr traurig. Die Männer, die in der Zeche arbeiten, die sie hinter mir sehen, verabschieden sich jeden Tag, wenn sie unter Tage gehen, von ihren Familien, für den Fall, dass sie nicht zurückkehren. Es ist eine Arbeit unter sehr harten Bedingungen und es gibt eine Menge Probleme. Die Menschen hier trauern, klagen aber auch über die Arbeitsbedingungen.”