Eilmeldung

Eilmeldung

Was wird aus den Familien der toten Bergarbeiter?

Sie lesen gerade:

Was wird aus den Familien der toten Bergarbeiter?

Schriftgrösse Aa Aa

Soma in Trauer. Hier kennt jeder einen der betroffenen Kumpel, denn dieser Ort lebt von und mit der Kohle. Die Gegend ist arm. Andere Arbeit als in der Grube gibt es nicht. Die hiesigen Gruben stammen überwiegend aus der Zeit des ersten Weltkriegs. Damals war Kohle rar, auch bei schlechterer Qualität wurde sie gebraucht. Alle Fahnen hängen auf Halbmast. Bei der Bergarbeitervereinigung mischt sich Wut in die Trauer. Die Männer wissen, sie müssen bald wieder runter in den Schacht – unter den gleichen schlechten Sicherheitsbedingungen.

Saban Ufuk, inzwischen Rentner, hat die Vereinigung gegründet. Er berichtet von einem Arbeitsleben und schwierigen Bedingungen. “Sie haben die Kumpel doch gesehen, die aus der Grube kamen,” sagt er dem euronews-Reporter. Von den schweren Arbeitsklamotten erzählt er, die sich vollsaugen mit Kohlenstaub. Und vom miesen Lohn. “Die Kumpel bekommen nicht, was sie verdienen”, lautet die bittere Bilanz seines Arbeitslebens. Umgerechnet 400 Euro im Monat ist schon der Spitzenverdienst. Verdammt wenig, wenn drei Viertel davon für die Miete draufgehen. Wie soll man da noch die Kinder ordentlich versorgt zur Schule schicken. Es reicht einfach nicht für ein normales Leben.

Jetzt sorgt sich Saban vor allem um die Witwen und Waisen. Solidarität ist die unverwüstliche Tugend der Bergleute überall auf der Welt. Nur ist sie hier leider auch überlebenswichtig.

“Sie bleiben nicht allein”, versichert Saban. “Wir sind jetzt ihre Väter, ihre großen Brüder. Wir schauen nach ihnen. Unsere Familien rücken zusammen. Vom Staat bekommen die Familien der Verunglückten eine Hinterbliebenenrente. Ich rechne mal, dass jede Familie so ungefähr 33.000 Euros bekommt und die Grubengesellschaft kommt für die Wohnung auf.”

Die Männer tragen die Fotos ihrer Kumpel am Revers. Und sie fordern eine Mitsprache der Gewerkschaften bei den Sicherheitsbedingungen.