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Brasilien: Fußball statt Schule

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Brasilien: Fußball statt Schule

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Sambaklänge und Protestpfiffe. Rio de Janeiro vier Wochen vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft. Brasiliens Wirtschaftsaufschwung hat längst seinen Schwung verloren. Soziale Probleme werden immer drängender. Investitionen sinken, die Kriminalität steigt. Verschiedene Organisationen haben diesen 15. Mai zum “Internationalen Tag des Kampfes gegen die Weltmeisterschaft” erklärt.

Der Lehrer Leandro fragt angesichts der hohen Ausgaben für die WM: “Wo bleibt das Geld für Gesundheit, Bildung, Wohnungen? Die Regierung soll endlich die wirklichen Prioritäten im Land begreifen.”

Obdachlosen-Demo in Sao Paulo. 2.500 Familien haben unter der Losung “ Copa do Povo” “WM des Volkes” ein Areal nur vier Kilometer vom Stadion entfernt besetzt. Dem Stadion, das 450 Millionen Dollar gekostet hat. Auch in der Hoffnung, WM-Gäste so auf die sozialen Nöte des Landes aufmerksam zu machen.

“Es eine Schande, wirklich eine Schande”, wiederholt Sozialarbeiterin Simone immer wieder.
“Wir haben nichts gegen das Stadion. Aber durch dessen Preis ist alles Land hier in der Gegend teurer geworden. Und es gibt kein Geld für Wohnungen oder Gesundheit. Wir haben weder Krankenhaus noch eine einfache Arztpraxis.
Warum wird nicht auch Geld für Gesundheit und Bildung ausgegeben? Nur für dieses Riesenprojekt, dass unsere Wohnungsnot nocht verschlimmert hat.”

In dieser Favela in Rio richten sich die Proteste vor allem gegen die Mängel im Bildungswesen. Die Kinder haben ihr Klassenzimmer auf die Straße verlegt, um auf die Notlage aufmerksam zu machen.

Der Präsident der Organisation “Rio de Paz”, fragt warum können die internationalen Fußballbosse von der brasilianischen Regierung Zielvorgaben und exakte Zeitpläne verlangen – die brasilianischen Bürger aber nicht? Warum müssen die sich immer wieder mit den allerschlechtetsten Lebensbedingungen abfinden?”

Während der Fußball-WM werden Schulen geschlossen, um zum Wohle der angereisten Fans die Nahverkehrssysteme zu entlasten. Und es gibt keinen Plan, wie die Kinder das versäumte Pensum nachholen können.