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Soma: Gewerkschaft zweifelt Regierungsangaben über Zahl der vermissten Kumpel an

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Soma: Gewerkschaft zweifelt Regierungsangaben über Zahl der vermissten Kumpel an

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Nach dem verheerenden Grubenunglück im türkischen Soma haben die Rettungskräfte nach Regierungsangaben am Freitag 14 weitere tote Kumpel gefunden. Die offizielle Zahl der Toten lag damit bei 298.

Wie viele Bergleute sich noch unter Tage befinden, ist nicht klar. Die Regierung geht von höchstens vier weiteren Toten aus. Gewerkschaften sprechen von etwa 100 vermissten Kumpel, das berichtet die Zeitung “Today’s Zaman” auf ihrer Website.

Unterdessen gab es auch am Freitag Ausschreitungen bei Protesten in Istanbul und weiteren Städten. Die Polizei ging unter anderem mit Tränengas gegen die Demonstranten vor. Diese warfen Steine. Sie werfen der Regierung vor, Sicherheitskontrollen in dem Bergwerk in Soma verhindert zu haben. Dutzende trauerten in Istanbul um die Opfer des schlimmsten Minenunglücks in der Geschichte der Türkei.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan steht nach dem Unglück erneut heftig persönlich in der Kritik. Wütende Angehörige und Gegner im ganzen Land fordern seinen Rücktritt. Es liege in der Natur des Bergbaus, dass es Unglücke gebe, hatte er nach der Katastrophe in Soma erklärt.

Zudem wird ihm vorgeworfen, er habe einen jungen Mann in dem Unglücksort geohrfeigt. Türkische Oppositionspolitiker und Internetaktivisten empörten sich. Die Szene soll auf einem Video festgehalten sein – allerdings ist die Sequenz verwackelt, sodass Erdogans Verhalten nur undeutlich zu erkennen ist. Erdogan war bei seinem Besuch am Mittwoch von einer Menschenmenge ausgebuht und ausgepfiffen worden. Sicherheitskräfte bahnten ihm den Weg durch Demonstranten in ein Geschäft. Dort kam es zur Konfrontation mit einem jungen Mann. Der sagte, Erdogan habe ihn unbeabsichtigt geschlagen, weil er wütend auf die Demonstranten gewesen sei und die Kontrolle verloren habe. “Ich werde den Herrn Ministerpräsidenten nicht anzeigen. Ich erwarte nur eine Entschuldigung”, sagte Taner Kuruca.